Raketen machen Trump nicht besser

So schnell also ändert sich unser Blick: Bis in den früheren Morgen des 14. April waren wir uns einig, dass mit Donald Trump im Weißen Haus ein unberechenbarer und gefährlicher  Mensch eingezogen ist, der die Welt nicht nur mit wütenden Tweets in Aufruhr versetzt. Der US-Präsident habe Anstand bewiesen, hieß es jetzt im Kommentar einer konservativen Sonntagszeitung. Die Raketenangriffe auf Ziele in Syrien seien richtig und gerecht gewesen.

Auch das „Wording“ der Bundesregierung gab dem Oberbefehlshaber der Angreifer Rückendeckung. Nur die Opposition traute sich, auf den mit den Raketen verbundenen Verstoß gegen das Völkerrecht hinzuweisen. Oft klang es jedoch so: Endlich hat mal einer etwas gegen diesen Assad  gemacht.  Danke, verehrter Mr. President.

Angriffe mit Giftgas gegen wehrlose Menschen sind verabscheuungswürdig. Sie müssen bestraft und noch besser für alle Zeiten unterbunden werden. Trotzdem: Wo bleibt unsere gesunde Skepsis?

Beweise, dass der syrische Diktator die Giftgas-Attacken hat durchführen lassen, soll es geben. Veröffentlicht wurden sie noch nicht. Zu beantworten wäre auch die vielleicht laienhafte Frage, wie man ein Lager für Chemiwaffen zerstören kann, ohne dass giftige Kampfstoffe in die Umgebung gelangen.  Ein US-Präsident mag einen Diktator zurecht Monster nennen. Er muss sich aber auch daran erinnern lassen, wer den endlosen Krieg im Nahen Osten losgetreten hat. Wie viele getötete oder verstümmelte Kinder, etwa durch misslungene Drohenangriffe, sind von den Vereinigten Staaten zu verantworten?

Und hat nicht gerade Donald Trump gerade gewaltige innenpolitische Probleme? Wer redet schon von einer Affäre mit einer Pornodarstellerin, wenn die Taten eines bösen Tieres gerächt werden? Wie könnte Trump seine Distanz zu Russland besser beweisen, als durch angeblich mutige militärische Aktionen gegen unseren derzeitigen Universal-Bösewicht Wladimir Putin?

Das verrückte Jeder-gegen-Jeden im Nahen Osten ist wie gemacht für krude Verschwörungstheorien. Die Wahrheit ist schwer herauszufinden.

Also sollten wir die Ereignisse kritisch beobachten und hinterfragen. Durch Raketen und Bomben Anstand zu zeigen, dürfte allerdings niemand gelingen.

 

 

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