Söders Kreuz: Es geht ums Allerheiligste

Das Phänomen, dass absurde Entscheidungen besonders große Aufmerksamkeit finden, ist uns wohl bekannt. In diesem Sinne hat das bayerische Kabinett einen Geniestreich gelandet. Seine Entscheidung, in sämtlichen Landesbehörden Kreuze aufhängen zu lassen, beschäftigt die Republik nun schon seit vielen Tagen. Hallelujah!

Haltet ein! Nicht dieses Wort, würde an dieser Stelle unser neuer Ministerpräsident sagen. Denn seiner Ansicht ist das Vorhaben eher weltlicher Natur. Er gibt diesen Hinweis aber nicht, weil selbst höchste katholische Kreise von einem Fehltritt reden. Nein, Markus Söder, erklärt, dass das Kreuz gar nicht als religiöses Symbol anzusehen sei. Es bringe vielmehr die geschichtliche und kulturelle Prägung des Freistaats Bayern zum Ausdruck.

So gesehen, ist der Erlass zugunsten des Kreuzes allerdings phantasielos. Manche Regionen haben ganz wunderbare andere Prägungen. In Nürnberg wäre es angebracht, Landesbehörden mit Bratwürsten aus Edelholz zu schmücken. In Unterfranken müsste Weinreben aufgehängt werden, in München schlecht eingeschenkte Bierkrüge oder Fußball-Meisterschalen. In den alpinen Regionen gehört ein Gamsbart in jedes Foyer eines Wasserwirtschaftsamtes.

Aber es geht wohl doch um etwas anderes. Wer das Kreuz aufhängt, sagt seinen Schäfchen „Fürchtet Euch nicht! Ich beschütze Euch vor dem Bösen, vor dem Fremden!“. Er bringt sein Volk dazu, an den Himmel, statt an die irdischen Probleme zu denken. Zwar ist der Glaube bei uns nicht mehr so stark, dass er wie Opium wirken könnte. Aber das Ganze wirkt doch, als hätte Karl Marx vorhergesehen, dass irgendwann einer wie Markus Söder kommt.

Der wiederum arbeitet zielstrebig daran, dass er das Allerheiligste für Politiker jedweden Glaubens bekommt: Das Kreuz am Wahltag. Amen!