Protest ist eine gute Nachricht

Die schlechte Stimmung im Land ist kaum erklärbar. In der öffentlichen Debatte geben diejenigen den Ton an, die Deutschland bedroht sehen. Von Flüchtlingen, von Armut, von Dieselabgasen, von Donald Trump, Waldimir Putin und von der konkurrenzlosen Finanzkraft des englischen Profifußballs. Die Politik beteuert, verstanden zu haben und keinesfalls wie bisher weitermachen zu wollen. Wir sind grantig wie das Wetter der letzten Wochen.

Dabei gibt es, jawohl, gute Nachrichten: Unsere Kinder sind so gesund wie noch nie zuvor. Es gibt zum Beispiel viel weniger Karies als früher, rauchende Jugendliche sind klar in der Minderheit. Sogar die Eltern sind zufrieden. Laut einer Studie des Robert-Koch-Institutes schätzen 95,7 Prozent der Eltern die Gesundheit ihrer Kinder als gut oder sehr gut ein. Bloß das zu häufige Übergewicht und die mangelnde Bewegung wegen des viereckigen Kästchens namens Smartphone trüben die Bilanz.

Aber im Kopf funktionieren Kinder und Jugendliche besser als viele Erwachsene. Das erleben wir gerade in den USA. Junge Leute gehen zu Hunderttausenden auf die Straße und fordern, dass der Quatsch aufhört, wonach ein wahrhaft freier US-Bürger nur sein kann, wer mindestens eine Schusswaffe besitzt. Sie machen der Erwachsenenwelt klar, dass sie endlich sicher sein wollen, nach dem Unterricht lebend nach Hause zu kommen.

Der Anlass für die Proteste ist grausam. Aber ansonsten ist dieser Aufstand der Schüler_innen etwas ganz Wunderbares. Zeigt er doch, dass verkrustete Systeme Risse bekommt, wenn man mit Herz und Leidenschaft dagegen vorgeht. Den Jugendlichen in den USA ist für ihre Kampagne denn auch jeder Erfolg zu wünschen.

Noch wunderbarer wäre es, wenn wir uns ein Beispiel nehmen würden. Auch wir haben Themen, die nach Protest schreien. Fremdenhass, Waffenexporte in Diktaturen, politisches Hätscheln von gierigen Konzernen. Wir sollten öfter runter vom Sofa und unsere Meinung sagen.

Aber macht das die Stimmung nicht bloß schlechter? Nein: Es hilft der Demokratie – und es hilft auch uns. Denn wer nicht verzagt und für eine gute Sache kämpft, leidet nicht, sondern hat ein frohes Herz. Gehen wir’s an!