Ein harter Schlag gegen das unantastbare Auto

Es ist immer ein einschneidendes Ereignis, wenn das vermeintlich Unantastbare bröckelt. So fühlte sich die Autoindustrie über viele Jahre. Als zuverlässige Jobmaschine wurde sie von der Politik gehätschelt. Gaunereien oder mafiöse Strukturen wurden hingenommen. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes zu innerstädtischen Fahrverboten ist nun tatsächlich ein harter Schlag.

Risse in der Liebe zum Auto beobachten wir schon länger. So ist für junge Menschen das neue iPhone inzwischen das wichtigere Statussymbol als der eigene Pkw. Vor allem Männer mit Hang zum SUV leben die Faszination noch aus. Ansonsten wird uns immer deutlicher, dass in den Zentralen der Autohersteller keine Menschenfreunde, sondern knallharte Redniteoptimierer sitzen. Das ist im Kapitalismus nichts Unanständiges. Schlecht ist allerdings, wenn für das Renditeziel Abgastests manipuliert oder Daten frisiert werden.

Auch wenn Institute von Universitäten – wie vielfach üblich – samt der Professoren von der Autoindustrie finanziert werden, wäre das nur dann gut, wenn dies von der Lust auf Unterstützung einer unabhängigen Wissenschaft stünde. Tatsächlich jedoch treten diese Daimler- oder VW-Professoren bei Anhörungen zu den Gesundheitsgefahren des Straßenverkehrs gerne als Beschöniger oder Verharmloser auf.

Wie aber kann so ein Gericht nun plötzlich Dampf machen? Weil die Justiz in schwierigen Fragen wahrhaftiger ist als die Politik. Richter müssen  nicht nach den Folgen ihrer Urteile fragen. Ihre Aufgabe ist es, die geltenden Gesetze in unseren Alltag zu übertragen. Das ist jetzt passiert. Es gibt ein Recht auf saubere Luft, Fahrverbote in den Städten sind möglich.

Trotzdem werden sie nur sehr selten kommen. Kommunalpolitiker, die gegen die Autolobby aufstehen, sind eher von Jobverlust bedroht. Ein Fahrverbot zu regeln, ist auch kompliziert. Wenn die Hauptstraße gesperrt wird, werden Seitenstraßen vergiftet. Es kann auch nicht sein, dass Mobilität ein Privileg der Besserverdienenden wird, weil sie sich das jeweils neueste Automodell leisten können.

Die Debatte über die Folgen des Gerichtsurteils wird spannend. Aber eigentlich wissen wir, was wirklich hilft: weniger Autofahren. Und das haben wir durchaus in der Hand.