Ein bisschen Papst, ein bisschen traurige Gestalt

„Das schönste Amt neben Papst.“ So hat Franz Müntefering im Jahr 2004 den SPD-Vorsitz beschrieben. Heute zeigt sich, dass dieser Vergleich ziemlich treffend war. Martin Schulz dürfte ähnlich leiden wie Franziskus. Es fragt sich bloß, warum das schön sein soll.

Wie der Papst muss es Martin Schulz ertragen, dass er noch so gute Dinge sagen kann: Es folgen ihm zu wenige. Ob das nun seine Genossinnen oder Genossen oder die Wähler sind. Als Parteichef und Kandidat startete er, von den Medien eiligst zu St. Martin geadelt, als furchtloser Kämpfer für mehr Gerechtigkeit im Land. Was ihn mit Franziskus verbindet. Doch so, wie dem Papst die Mitglieder seiner Kirche davonlaufen, so wählten die Menschen lieber andere Parteien.

Und nun bringt die sozialdemokratische Verhandlungsgruppe aus den den GroKo-Sondierungen die Grundrente mit. Sie erreicht höhere Investitionen in die Bildung, ein Fachkräfte-Programm für die Pflege oder das Recht auf eine Ganztages-Betreuung in den Grundschulen. Das Jamaika-Projekt war in diesem Sinne weniger sozial angelegt. Völlig erfolglos waren Schulz & Co. nicht.

Bloß: Viele sehen das nicht mehr. Sie erinnern sich daran, dass eine neue Koalition mit der Union von Schulz selbst als völlig undenkbar bezeichnet wurde. Die Sozialdemokraten schauten den Jamaika-Sondierern zu und ätzten über deren feudales Balkon-Gehabe. Sie sahen mit Genuss, dass es die angebliche Über-Kanzlerin Angela Merkel auch nicht hinbekommt. Soll sie doch mitsamt ihrer staubtrockenen Phantasielosigkeit das Parlament überzeugen.

Nach der Flucht der FDP war er aber wieder da, dieser typische Reflex. Wenn es darauf ankommt, denkt die SPD nicht an sich, sondern dient dem großen Ganzen bis zur Selbstaufgabe. So ist die Partei. So ist Martin Schulz. Klug, redlich, aber auch nachgiebig.

Rein menschlih möchte man ihm wünschen, dass es mit der GroKo nicht klappt. Schon jetzt ist er bloß noch ein bisschen Papst oder Heiliger. Martin Schulz wird als SPD-Chef absehbar stürzen. Die Frage ist die Dauer seiner Leidenszeit. Er wirkt wie der Ritter von der traurigen Gestalt. Wenn es vorbei ist, ist er wenigstens befreit.