Black, Cyber, Flash – und anderes Verarschen

Wer geglaubt hatte, dass Halloween der größtmöglich blöde Angriff auf unsere kulturellen Traditionen sei, sieht sich in diesen vorweihnachtlichen Tagen getäuscht. Wir müssen kaufen, auf Teufel komm raus. Und weil wir ein Volk von Schnäppchenjägern sind, braucht es ganz neue,  fantastische und digitalisierte Rabatt-Aktionen.

Die heißen dann zum Beispiel „Black Friday“. Kannten wir den „Schwarzen Freitag“ bisher als Auslöser der Weltwirtschaftskrise vor dem Zweiten Weltkrieg, so bekommen wir nun das Signal, dass die Preise für Jacken, Stiefel und Unterhosen einen Kurssturz biblischen Ausmaßes erleben. Das Leben wird billig. Und weil es so toll nach Fortschritt klingt, gibt es den Black Friday jetzt bei jeder unbedeutenden Online-Handels-Klitsche.

Haben wir den magischen Einkaufstag verpasst, müssen wir nicht lange weinen. Es gibt ja den „Cyber Monday“. Der ist so genial digital, dass eine deutsche Traditions-Kaufhauskette sogar 15 Prozent auf Großspielwaren anbietet. Ein anderer Shop wirbt mit 70 Prozent auf Bratpfannen.

Wer sich keine Namensrechte gesichert hat, muss auf den Sale ausweichen. Jene Form der ständig wiederkehrenden Krempel-Wochen, an die wir uns inzwischen gewöhnt haben. Die Aktionen heißen heute Cyber oder Flash Sale. Wer da nicht kauft, ist ein armer Wicht. Denn die Händler geben ihr letztes Hemd.

Aber halt! Manchmal stimmt das gar nicht. Lagen auf den früheren Ramschtischen unserer Schlussverkäufe tatsächlichen jene Waren, die bis zum Ende der Saison noch nicht verkauft waren, sind Black Friday, Ruby Tuesday, Green Wednesday oder Gelber Samstag fies kalkulierter Bestandteil der allgemeinen Verkaufsstrategie. Eine Woche vor Aktions-Start erhöht man den Preis, um ihn dann scheinbar dramatisch zu senken. Zwei Wochen später ist er noch niedriger. Aber das weiß dann keiner mehr.

Klingt nach Verarschung 4.0. Ist es auch. Und wer das nicht glaubt, sollte wissen: Amazon-Gründer Jeff Bezos ist neuerdings der reichste Mann der Welt. Woran das wohl liegt?

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