Der Mann, der immer durchfällt

Der Roman „Der Mann, der fällt“, erzählt von einem Mann, der sich nach einer Querschnittslähmung zurück ins Leben kämpft. Ein Held also. Zur Hauptfigur des möglichen Romans „Der Mann, der durchfällt“ würde den meisten Menschen dieser Begriff nicht einfallen: Der AfD-Politiker Albrecht Glaser möchte Bundestags-Vizepräsident werden. Aber man lässt ihn vielleicht die nächsten vier Jahre nicht.

So könnte es kommen. Denn die AfD besteht darauf, genau diesen Vize-Zeremonienmeister des Parlaments durchzusetzen. Fast der komplette Rest des Hauses will das nicht, weil sich der 75-Jährige seltsam über die Religionsfreiheit für Muslime geäußert hat. Bleiben beide Seiten stur, könnte das so weitergehen.

Ein wirklicher Schaden wär’s nicht. Denn Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat auch ohne Glaser fünf Stellvertreter, umgerechnet für jeden Werktag einen. Außerdem liegt eine PR-technische Win-Win-Situation vor. Die anderen Parteien können nach außen dokumentieren, dass sie sich von der AfD nicht alles gefallen lassen. Die AfD wiederum kann sich als Opfer eines etablierten Machtkartells darstellen.

So, wie es deren Parlamentarischer Geschäftsführer Bernd Baumann in seiner Rede getan hat:
„In 150 Jahren Parlamentsgeschichte blieb die Regel des Alterspräsidenten unangetastet. Unangetastet? Es gab eine Ausnahme: 1933 hat Hermann Göring die Regel gebrochen, weil er politische Gegner ausgrenzen wollte, damals Clara Zetkin.“

Aber ist das so? Der anerkannt bildungsnahe Linken-Abgeordnete Harald Weinberg hat auf seinem Facebook-Account den Wahrheitsgehalt dieser Aussage überprüft. Sein Ergebnis: Clara Zetkin war Alterspräsidentin, und zwar am 30. August 1932. In ihrer Rede hat sie eindringlich vor den Nazis gewarnt und gemeinsamen Widerstand gegen sie angemahnt. 1933 gab es aus zwei Gründen für sie keine Möglichkeit als Alterspräsidentin zu wirken: Göring hatte reagiert und einen Kandidaten aufstellen lassen, dessen Hauptqualifikation darin bestand, älter als Zetkin zu sein. Und im März 1933 wurden dann alle KPD-Abgeordnete mit Terror und Gewalt von der Ausübung ihres Mandats abgehalten. Clara Zetkin ging ins Exil in die Sowjetunion, wo sie am 20. Juni 1933 verstarb.

Weinberg weiter: „Freundlich ausgedrückt könnte man sagen, die AfDler nehmen es nicht so genau mit der historischen Wahrheit. Klarer ausgedrückt: In den meisten Fällen muss man davon ausgehen, dass sie lügen!“

Wie auch immer: Der nächste Wahlgang kommt bestimmt…

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