Nicht Geiz, Gerechtigkeit ist geil

Gerechtigkeit! Wir Menschen träumen schon immer davon. Wo es sie gebe, herrsche Seelenfrieden, befand der antike Philosoph Epikur von Samos. Doch die modernen Zeiten sind anders. Die Devise lautet: Wer hat, dem wird gegeben. Wer hat, der gibt nichts her.

Dies soll keine Warnung vor der Jamaika-Koalition sein. Der Verdacht eines Bündnisses der Besserverdienenden liegt angesichts der möglichen Partner nahe. Aber Union, FDP und Grüne werden es als Team mit der Klientel-Politik nicht übertreiben. Denn jeder Beginn einer Regierungszeit legt das Fundament zur Wiederwahl.

Hier soll es jedoch um mehr gehen, nämlich um ein staatspolitisches Grundprinzip: Alle Menschen eines Landes sollen gleich gute Lebensumstände und Chancen haben. Ganz egal, wo sie leben. Damit es funktioniert, müssen die starken Regionen wirtschaftlich schwache Gegenden mitnehmen. Deshalb führt Bayern, das vor der Ansiedlung von Siemens & Co. ein Agrarstaat war, heute Steuergelder für Mecklenburg-Vorpommern ab.

Aber immer öfter wird die Frage gestellt: Was soll die blöde Solidarität? In Katalonien läutet der regionale Regierungschef, dessen Name irgendwie wie „Putsch-Dämon“ klingt, die Glocke der Freiheit und will sich vielleicht doch bloß mehr Geld und Macht sichern.  In der Lombardei und in Venetien fordern die Menschen mehr Autonomie. Der reiche Norden Italiens will den mafiaverseuchten Süden nicht mehr füttern.

Große Hoffnungen werden geweckt. Aber ob am Ende alles besser ist? Wenn die, die in den abgehängten Regionen keine Jobs mehr kriegen, Extremisten wählen oder in die reichen Gebiete ziehen? Wenn Geiz nicht wirklich geil ist?

In einer Demokratie ist es nicht gut, wenn nur der Stärkere überlebt. Solidarität und Kontrolle der Mächtigen haben uns allen viel gebracht. Manchmal sogar Gerechtigkeit.