Der Opa vom Mops – er macht uns Angst

In diesem Land herrscht Angst. Nicht nur vor den Flüchtlingen, das sowieso. Sondern auch vor einem vierbeinigen Rückkehrer, dem Wolf. Können wir noch sicher wandern, joggen oder Pilze suchen, wenn dieser knurrende Beutegreifer durch unsere Wälder und Fluren streift?

Wenngleich selbst der große Historiker Alexander Gauland bestätigen dürfte, dass der Wolf als integraler Bestandteil des christlichen Abendlandes anzusehen ist, erfüllt er eine Grundvoraussetzung für lähmende Angst: Wir kennen ihn nicht mehr. Dabei hätten wir allen Grund, ihm dankbar zu sein. Ist er doch der Uhrahn der von uns so geliebten Haus- und Hofhunde. Ohne Wolf kein Mops. Ohne ihn gäbe es nicht dieses einzigartige Tier, das selbst dümmste Menschen als Chef akzeptiert und diese in der Rangordnung über seine Artgenossen stellen.

Für den Menschen ist der Wolf keine unmittelbare Gefahr. Er spielt nicht, aber er tut auch nichts, sofern man nicht aufdringlich versucht, ihm die Pfote zu schütteln. Doch er ist dazu geeignet, sich in den Kern unserer herrschenden Religion zu verbeißen. Er kann wirtschaftlichen Erfolg zerstören, indem er Schafe oder Ziegen reißt. Das ist bloß seine Natur, aber es kostet auch mal Geld.

Das mögen Schäfer und Bauern gar nicht. Also verweisen sie auf die segensreiche Wirkung von grasfressenden Tieren für die Vielfalt der Natur. Und warnen davor, dass zuviel Wolf für eine öde Landschaft sorgt. Als ob unsere moderne Agrarwirtschaft für buntes Blühen sorgt.

Aber Angst ist selten rational. Beim Wolf ist sie zudem Teil unserer Kultur. Wie etwa wäre es, wenn die Prinzessin im Märchen einen Wolf geküsst hätte oder wenn die Gebrüder Grimm einen hinterfotzigen Riesenkater auf Rotkäppchens Mutter angesetzt hätten? Vielleicht wäre unser Ur-Hund so populär wie seine Nachfahren.

Und wir wären mit unseren Sorgen näher an der Wahrheit. Streunende Hauskatzen zerstören mehr natürliche Vielfalt als es unseren Wölfen in den nächsten hundert Jahren gelingen kann. Doch diese Betrachtung ist rational. Angst ist das nicht.

 

 

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