Alte Männer? Sind ziemlich aus der Mode

Mal ganz ehrlich: Denken wir noch an Heiner Geißler? Oder an Helmut Kohl? Möchten wir wissen, was sie zu Jamaika gesagt hätten? Nein, wir tun es nicht. Denn etwas hat sich geändert. Alte Männer sind nicht mehr gefragt.

Noch am Beginn dieses Jahrzehnts war das völlig anders. Als im Jahr 2011 repräsentativ gefragt wurde, wer die großen Probleme der Welt am ehesten lösen könne, landete Nelson Mandela auf dem ersten Platz. Gleich hinter ihm, noch vor dem Dalai Lama, wurde Helmut Schmidt gelistet. Der Ex-Kanzler, von dem wir uns damals nur zu gerne im Zigarettenqualm das globale Geschehen erklären ließen.  Uns war klar, dass dieser verrückt gewordene Erdball Männer mit Erfahrung braucht.

Vorbei. Gefeiert werden jugendliche Helden wie der französische Präsident Emmanuel Macron und ganz aktuell der wahrscheinliche neue österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz. Bei Amtsantritt wäre er nur drei Jahre älter als Diktator Kim Jong Un beim gleichen Anlass. Mit 31 Jahren stünde er ganz oben, einem Alter, in dem bei uns manche junge Akademiker allmählich ihre Praktikumsphase beenden. Noch neun Jahre müsste Kurz warten, um deutscher Bundespräsident oder Nachfolger von Horst Seehofer als bayerischer Ministerpräsident werden zu können. Ein neuer Papst muss mindestens 35 Jahre alt sein.

Woher aber kommt der neue Jugendtrend? Es könnte mit Donald Trump zu tun haben. Der 71-jährige US-Präsident ist der lebende Beweis dafür, dass fortgeschrittenes Alter und Weisheit auf Dauer Gegensätze bleiben können. Die Zeichen der Zeit erkannt hat der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich. Er will sein Amt in jüngere Hände legen. Im zarten Politikeralter von 58 Jahren. Tja, wir nehmen jetzt eben lieber einen Christian Lindner. In seinem stets ungebremsten Wortschwall findet sich reichlich Krampf. Der FDP-Chef ist aber in seinen Auswirkungen vergleichsweise harmlos.

Fragt sich bloß, ob diese Entwicklung so bleibt. Zweifel sind erlaubt. Kann man Jens Spahn statt Angela Merkel wirklich wollen? Leistet Jupp Heynckes mit 72 nicht gerade tolle Arbeit?

In Italien jedenfalls arbeitet ein zurecht Vergessener rastlos an seinem Comeback als Regierungschef: Silvio Berlusconi. Mit 81 Jahren gibt er keine Ruhe. Also Vorsicht! Alte Männer mögen zurzeit out sein. Aber zäh sind sie allemal.

PS.: Dieser Text hätte auch ein anderes Thema haben können: Angela Merkel übersteht den Jugendwahn, weil es in ihrer Partei keine jungen Frauen gibt.