Das Schweigen der Chefs – Wir sollten was tun

An Kommentaren zur Bundestagswahl herrscht kein Mangel. Recht leise sind bislang jene geblieben, die die neue Regierung Merkel besonders interessieren sollte: Unsere Arbeitgeber, die Chefs der Konzerne im Besonderen.

Helfen wir nach: Für die Unternehmen ist es nicht perfekt, aber doch recht gut gelaufen. Rot-Rot-Grün ist momentan keine Option. Die Kanzlerin liegt vorne, die FDP ist wieder im Bundestag. Und mit der AfD ist ein Partei ins Parlament eingezogen, der jene Menschen vertrauen, denen sie gemäß ihres wirtschafts- und sozialpolitischen Programm garantiert nicht helfen will. Selbst Mitglieder der Gewerkschaften gehen den rechten Blendern erstaunlich oft auf den Leim.

Das Probem für die Firmen ist die Unsicherheit. Jamaika hat auch in der Politik etwas latent Bekifftes. Man kann nicht sagen, was hinten rauskommt. Falls es denn überhaupt klappt. So etwas mögen Chefs gar nicht.

Noch weniger kommt für sie in Frage, ihre Mitschuld an den neuen, unsicheren Verhältnissen einzugestehen. Wer als Mitarbeiter eines tarifgebundenen Betriebes eine mittels Solidaritätszuschlag subventionierte Firma in Ostdeutschland besucht, trifft auf schlimme Verhältnisse. Hier handeln Arbeitgeber, die jedes vom Gesetzgeber bereitgestelltes Instrument zur Ausbeutung bis zum Letzten nutzen. Es gibt Lohndumping, Unsicherheit über die Zukunft. Mitunter ist es der sicherste Weg zur Kündigung, die Wahl eines Betriebsrates zu organisieren.

Hat also jemand, der den Mindestlohn bloß zwangsweise bekommt, völlig Unrecht, wenn er glaubt, dass er von der Politik vergessen wurde?

Wohl nicht, aber die Schlussfolgerung ist falsch. Arbeitgeber sind wie Kinder. Wenn du ihnen keinen Grenzen aufzeigst, tanzen sie dir auf der Nase herum. Wirklich beeindrucken lassen sie sich also von klaren gesetzlichen Regeln sowie von starken Gewerkschaften und kompetenten Betriebsräten. Gerade Deutschlands Osten ist da eine Steppe. Aufforsten ist angesagt. Überall – und völlig egal, wer gerade regiert.

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