Die Wahl verloren – der alte Käse bleibt

Das Ergebnis der Bundestagswahl hat viel verändert. Unser Parlament ist mit 709 Abgeordneten so groß wie nie. Obendrein kostet es rund 300 Millionen Euro mehr pro Jahr. Doch im Wandel ist Erstaunliches zu beobachten: CDU und CSU haben gewaltig verloren. Doch Rücktritte und neue Gesichter gab es nicht. Es scheint fast so, als wollte die Union die Wahl ignorieren.

Bei Angela Merkel wundert das nicht. Dank ihres staubtrockenen Pragmatismus‘ kann sie Koalitionen kreuz und quer durch die Parteienlandschaft eingehen. Sie hat ihre 33 Prozent denn auch mit den Worten „Wahlziel erreicht“ abgehakt. Keiner kann gegen sie regieren. Nur darauf kommt es an.

Bei der CSU war etwas anderes zu erwarten. Ein Wahlergebnis weit jenseits der absoluten Mehrheit in Bayrern, unter 40 Prozent gar, hätte früher jeden Parteivorsitzenden innerhalb von Stunden den Kopf gekostet. Zumal die Blamage hinzukommt, dass Joachim Herrmann, dem Volk als neuer Bundes-Innenminister und „Sahnehäubchen“ seiner Partei angeboten, nicht einmal ein Bundestagsmandat erreicht hat.

Stattdessen ließ Generalsekretär Andreas Scheuer, wie immer strotzend vor arroganter Selbstgewissheit, am Tag nach der Wahl wissen, dass man weitermachen wolle wie bisher. Zuwanderung und Sicherheit würden Hauptthemen bleiben. Bis zur Landtagswahl wolle man die „rechte Flanke“ schließen. Und Alexander Dobrindt, unter dessen Federführung Exportweltmeister Deutschland das annähernd langsamste Internet Europas bekommen hat, darf in Zukunft als Chef der CSU-Landesgruppe in Berlin beweisen, dass er nichts kann.

Womit haben wir es hier zu tun? Mit einem Mangel an Führungskräften, der Sitzfleisch-Dominanz der Amtsinhaber? Oder einfach mit völliger Ratlosigkeit, weil ein derart schlechtes Wahlergebnis schlicht nicht eingeplant war?

Als jetzt Markus Söder, Intimfeind von Horst Seehofer, auf dem Bildschirm auftauchte, mochte man auf neue Ideen hoffen. Aber Fehlanzeige: Stattdessen gab es das tausendfach gehörte Gerede von der Obergrenze. Söder sprach über Ängste in U-Bahnen, was, gemessen am den AfD -Ergebnissen bedeutet,  dass die Angst in der Metro von Deggendorf besonders groß sein muss.

In einem reichen Land wie Bayern könnte eine Regierung viele lohnende Themen anpacken: Bildung, Klimaschutz, Energiewende, gesunde Ernährung, Digitalisierung, bezahlbare Mieten…

Stattdessen lautet die Botschaft: Wir haben keine Ideen, aber wir beschützen Euch vor allem  Fremden. Ob das für die Landtagswahl reicht? Hoffentlich nicht.

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