Software-Gefummel? Abgas vermeiden – das wär’s doch

Das war der Gipfel. Die Bosse der großen Autohersteller saßen mit den zuständigen Politikerinnen und Politikern an einem Tisch. Am Ende gab es eine Lösung, mit der die Industrie leben kann, wie man so schön sagt. Die Abgas-Betrüger in Nadelstreifen haben es geschafft, den Vertretern des Staates trotz aller Lügen die Richtung vorzugeben. Und letztlich wurde zu kurz gedacht.

Keiner kann wollen, dass die deutsche Autoindustrie zusammenbricht. Aber man mussfragen dürfen, ob es ausreicht, ein bisschen Software nachzurüsten oder neue Erlaubnis-Plaketten für Fahrverbotszonen zu erfinden. Wer sich nicht anstrengen muss, bleibt auch in der Krise faul. So wie die Politik, die offenbar nach der Devise handelt, dass genauso viel wie bisher gefahren werden darf, wenn es denn bloß schadstoffärmer ist.

Das erinnert an unsere allgemeine Haltung zum Dreck. Wir Deutschen sind stolz auf unser ausgeklügeltes System zur Mülltrennung. Wie kein anderes Volk dieser Welt wissen wir, welcher Abfall in welche Tonne oder in welchen Sack gehört. Samstagvormittage auf dem Recyclinghof sind ein Ereignis für alle Schichten dieser Gesellschaft. Bloß: Die Abfallmenge wächst.

Und so ist es auch bei den Autos. Müsste es nicht das tatsächliche Ziel sein, Abgas zu vermeiden, also überhaupt weniger zu fahren? Das sollte der Umwelt oder den Lungen der Passanten mehr helfen als irgendwelche Software-Fummeleien.

Aber wie ist die Realität? Gemäß aktueller amtlicher Zahlen arbeiten 59,4 Prozent der Beschäftigten nicht an ihrem Wohnort. Der große Teil von ihnen setzt sich morgens ins Auto und pendelt zum Job. Er hat auch gar keine andere Chance, denn Immobilien in der Stadt werden immer teurer, weil sie in Zeiten von Nullzinsen zum Anlageobjekt geworden sind. Die Frage, welche junge Familie sich ein Reihenhäuschen in der Nähe der großen Firmen  leisten kann, ist eine rein rhetorische. Das zu ändern, ist eine schier aussichtslose Aufgabe.

Wer also wirklich für gesunde Luft sorgen will, muss das ganz große Rad drehen. Er bekommt es mit Problemen zu tun, die er mit dem Tunnelblick auf den Auspuff nicht erahnen konnte.

Aber: Wir müssen diese Fragen angehen. Alles andere ist Herumwursteln an Symptomen. Das mag den Managern, vielleicht auch manchem Ministerpräsidenten reichen. Genügen darf es aber nicht – schon wegen der vielen, vielen Lügen.

 

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