Weine nicht, kleiner Diesel

Wir kennen die Schlagzeile: „Die Autobranche eilt von Rekord zu Rekord.“ Das stimmt auch in diesen Tagen und Wochen, das Vorzeichen ist allerdings Minus. Doch wir haben gelernt: Jede Krise ist eine Chance, der Tank ist halb voll. Und: Unsere Autobauern stehen treu zur Politik. In guten wie in schlechten Tagen. Ob bewusst oder unfreiwillig – das muss sich erst noch zeigen.

Nehmen wir unseren Lieblings-Präsidenten Donald J. Trump. Was hatte er nicht gewettert über die ungerecht hohen Verkaufszahlen deutscher Luxuskarossen? Brutales Durchgreifen hatte er angekündigt, bei Bedarf mit horrenden Strafzöllen. Und ein Ende werde es erst geben, wenn der Marktanteil von Chevrolet in Deutschland Opel-Niveau erreicht hat.

Klingt nach Demontage, aber die erledigt unsere Vorzeige-Industrie dann schon lieber selbst. In der von einer führenden US-Agentur erstellten Rangliste der wertvollsten Marken der Welt steht BMW auf Platz 31, Mercedes auf 39. Das wird sich dramatisch ändern, der Chef vom Weißen Haus ballt schon seine Siegerfaust.

Konzerne helfen aber auch unserer Politik. Unser Verkehrsminister und anerkannter Autofreund Alexander Dobrindt hat es dem Ober-Luxus-Hersteller Porsche so richtig gezeigt. Alle Fahrzeuge der Marke Cayenne müssen in die Werkstatt, bis auf Weiteres wird kein neuer Wagen aus dieser Serie zugelassen.

So dicke Muskeln. Man sieht und staunt. Aber vielleicht ist die Geschichte ja eine ganz andere. Porsche hat um Bestrafung geradezu gebettelt. Der Minister wiederum macht gerade Wahlkampf. Da darf er jetzt energischst auftreten, wird wiedergewählt – und die Autobauer behalten den Kumpel, den sie brauchen.

Ja, aber dieses Stuttgarter Urteil zu Fahrverboten. Das macht doch alles kaputt. Ach wirklich? Gibt es einen besseren Grund, ein neues Auto zu kaufen, als das Nichterreichen des Arbeitsplatzes? Wenn der alte Schrott weg ist, ist der Weg frei zum millionenfachen Verkauf von überteuerten Elektrofahrzeugen. Die Politik wird mithelfen. Durch flächendeckende Ladestationen, Extra-Spuren für schnelleres Fahren, freie Parkplätze, und, und, und…

Alsdenn: Weine nicht, kleiner Diesel. Die Zeichen stehen auf Abschied. Doch immer gilt der Satz des Daimlers unter den schwäbischen Dichtern, Friedrich Hölderlin: „Wo die Not am größten, wächst das Rettende auch.“ Wir werden es erleben.