Käpt’n Seehofer und seine Leichtmatrosen

Glückliches Bayernland: Geht es in anderen Regionen der Welt um tatsächlich existenzielle Themen, entwickelt sich bei uns eine Frei-Staatskrise entlang der Frage, ob eine Straßenbahn durch den Englischen Garten in München fahren darf. Welcher Luxus!

Bis vor einigen Tagen waren die Fronten klar. SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter war dafür, die CSU hielt dagegen. Insbesondere die Fachminister Spaenle  (Denkmalschutz) und Söder (Herr über Schlösser, Seen und andere royale Hinterlassenschaften) mochten sich mit der Garten-Tram nicht anfreunden.

Doch dann einigte sich Horst Seehofer mit Dieter Reiter in dessen Sinne. Und gab dem OB gleich noch das Okay, dies öffentlich zu verkünden. Zwei Fachminister der CSU erfuhren also aus der Zeitung, was sie an sofort zu denken haben.

Horst Seehofer, dem Erfinder der Ein-Mann-Meinungsvielfalt, ist es vermutlich völlig egal, ob die alten Jagdgründe der Wittelsbacher durch Bus, Straßenbahn oder Pferdefuhrwerk gequert werden. Wichtiger ist, dass es der alte Silberrücken zwei Parteifreunden gezeigt hat.

Der Kapitän demütigt die Leichtmatrosen. Denn er ist Mister 49 Prozent. Ohne ihn keine absolute Mehrheit. Das parteiinterne Gemaule wird sich in Grenzen halten.

Zumal eine aktuelle Umfrage besagt, dass sich jeder dritte Bayer von Deutschland abspalten möchte. Das wird der CSU gefallen, bloß: Sollte  unser Vertrauen so weit reichen, dass wir Horst Seehofer wirklich wichtige Entscheidungen überlassen möchten? Bleiben wir achtsam..