Mit Stahlhelm in der Parallelgesellschaft

  • Was ist bloß aus unserer Bundeswehr geworden? Wie kann es sein, dass unsere Soldaten regelrechte Hausaltäre für die Wehrmacht errichten? Warum misshandeln sie ihre Kameraden? Woher kommt dieser offensichtliche Rechtsruck? Fragen wie diese gehen uns gerade durch den Kopf. Begreifen fällt schwer.

Zunächst hatten wir gedacht, dass dieser Bundeswehroffizier, der sich als Flüchtling ausgegeben hat, um in dieser Inkarnationsform einen Anschlag zu begehen, ein verrückter Einzelgänger wäre. Jetzt wurde ein mutmaßlicher Komplize verhaftet. Das Ganze erinnert an die Sache mit den so genannten Reichsbürgern. Auch da mochte man meinen, dass eigentlich kein Mensch so denken kann. Und dann zeigt sich nach und nach, dass es eine ganze Menge solcher Staatsfeinde gibt.

Aber unsere Bundeswehr? Diese Armee, von der wir bisher dachten, dass sie aus demokratisch denkenden „Staatsbürgern in Uniform“ bestehe? Wie konnte sie sich in manchen Kasernen zu einer gefährlichen Parallelgesellschaft entwickeln?

Wahnsinnig viel war dafür nicht nötig. Die Strukturen waren schon vorhanden. Die Bundeswehr hatte immer ihre eigenen Regeln und Rituale. Auch die Sprache war sehr besonders. Offiziere trafen sich zum „Bier-Call“, Rekruten bekamen als Teil seiner Grundausstattung eine „Hose, Bade, blau“.

Stark verändert hat die Armee gewiss die Aussetzung der Wehrpflicht. Es fehlen junge Soldaten, die im Herzen Zivilisten sind. Stattdessen entstehen die typischen Probleme einer Berufsarmee: Soldat wird, wer nichts anderes findet oder zumindest geringe Chancen hat. Er kommt also potenziell aus wirtschaftlich schwachen Gebieten. In einer geschlossenen Gemeinschaft anerkannt zu sein, ist da bestimmt attraktiv.

Die Bundeswehr als Parallelgesellschaft, also. Das mag sein. Aber hat sich die Gesellschaft um ihre Armee bemüht? Wenn ein Soldat in Afghanistan gerade eine wilde Schießerei gerade so überstanden hat und sich dann überlegt, ob das daheim jemand interessiert, würde er wohl zum Resultat kommen, dass es den Menschen, für die er im Einsatz ist, egal ist.

Motiviert unsere Demokratie zur Demokratie? Die Frage ist erlaubt.

 

 

 

 

 

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