Die Briten sind weg. Die EU hat Veitshöchheim

„Die sind doch alle verrückt!“ Leicht geht uns dieser Satz von den Lippen, wenn wir über den Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union reden. Der Brexit wirkt wie ein dummes Versehen, das aber, weil es nun mal stattgefunden hat, nicht geändert werden kann.

Und es gibt ein weiteres Indiz dafür, dass da ein närrischer Plan vorliegt. Mit dem endgültigen Ausscheiden der Briten bekommt die EU einen neuen geographischen Mittelpunkt. Der Ort heißt Gadheim, liegt in Unterfranken und gehört – jawohl – zu unseren Faschingshochburg Veitshöchheim. Man darf davon ausgehen, dass die Närinnen und Narren diese hervorgehobene Stellung ihres fränkischen Olymps in ihre Texte einarbeiten werden.

Nun ist der organisierte Frohsinn nicht für jeden lustig. Mancher würde ihn sogar als heimtückische  Attacke aufs eigene mentale Wohlbefinden einstufen. Aber es wäre doch gut, wenn große Führer*innen wie Le Pen, Orban, Höcke oder Wilders bloß schlechte Büttenredner wären.

Und nehmen wir an, der türkische Präsident Erdogan könnte über sich selbst lachen und würde sich im Staatsfernsehen von Komikern den Kopf waschen lassen. Die Zahl der eingesperrten Richter, Journalisten, Professoren und Lehrer wäre vermutlich kleiner.

Auch unsere veralberten Politiker lachen manchmal bloß, weil es zum Spiel gehört. Trotzdem: Veitshöchheim als Mitte der EU könnte ein gutes Signal sein. Auf unseren Brexit, ein dreifach donnerndes Helau.

Richtungswahl im Operettenstaat

Das Saarland hat gewählt. CDU-Kandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer hat gewonnen. Hat es sich also jetzt schon ausgeschulzt? Vor Übertreibungen sei gewarnt.

So sehr sich die politischen Kommentatoren an der dortigen Wahl abarbeiten, so wenig sollten wir die wahre Größe und Bedeutung dieses Bundeslandes vergessen. Ein Landtag für eine Million Einwohner – das hat etwas Operettenhaftes. Die Zahl von 800.000 Wähler*innen steht im Normalfall für eine bedeutende Kommunalwahl.

Unter diesem Aspekt schrumpft die bundespolitische Bedeutung dieser Wahl erheblich. Je überschaubarer das Gebiet, umso wichtiger wird die Person des/der Bewerber*in. Wäre das anders, würde es zum Beispiel in Bayern nicht so viele SPD-Bürgermeister geben. Und wenn die Menschen, wie im Saarland, mit ihrer GroKo zufrieden sind, warum sollten sie dann über die Zukunft von Angela Merkel und Martin Schulz abstimmen? Für einen Schulz-Zug sind die Bahnsteige zu klein. Die Aussagekraft für den Bund ist somit vor allem Psychologie, vermischt mit reichlich Kaffeesatz.

Allerdings gibt es Indizien gegen diese Analyse. Die Saarländer haben immer wieder einflussreiche Persönlichkeiten hervorgebracht. Mit Peter Altmaier und Heiko Maas sitzen zwei von dort kommende Politiker in der Bundesregierung. Erich Honecker hat einen zweiten deutschen Staat regiert, Oskar Lafontaine hat die SPD zunächst gemanagt und sich dann brutal mit ihr zerstritten. Der große Sozialrevolutionär Peter Hartz stammt ebenso aus dem Saarland wie Nicole, unsere erste Gewinnerin des Eurovision Song Contests.

Aber lassen wir das. Nehmen wir das Wahlergebnis zur Kenntnis. Und lassen das Saarland das sein, was es ist. Ein schönes, kleines Bundesland, in dem die Kartoffeln Grumbeeren heißen, wo Schwenkbraten und Lyoner Ringwurst zuhause sind. Eine Region, die wegen des einst großen Stahlwerkeranteils auch mal nach ganz links tendiert. Und das Land, dessen Tatort zuverlässig schlecht ist. Wir freuen uns drauf…

Das Glück wohnt hoch im Norden

Was ist Glück? Seit Menschen denken, haben sich Philosophen aller Länder an dieser Frage abgearbeitet. Als sicher darf gelten, dass es sich um etwas Leichtflüchtiges handelt. Oft wird uns unser Glück bewusst, wenn es wieder weg ist. Aber es gibt Aspekte des Lebensgefühls. Sind wir zufrieden?  Bemerken wir auch kleine Freuden? Oder laufen wir generell mit hängenden Mundwinkeln durchs Leben?

Diesen Themen geht der jährlich erscheinende Weltglücksbericht nach. Darin wird untersucht, in welchen Ländern der Erde die glücklichsten Menschen der Welt leben. Und siehe da: Das Glück wohnt im Norden oder in den Bergen. Der neue Wohlfühl-Spitzenreiter heißt Norwegen.

Welche Gründe könnte das haben? Norwegen hat vergleichsweise viel Natur und wenig Menschen, nämlich nur 13 pro Quadratkilometer. Man hat einen Köing und eine eigene Währung. Das gesellschaftliche Klima ist tolerant. Die Norweger sind zu einem erstaunlichen Anteil erfolgreiche Sportler und werden im Schnitt fast 83 Jahre alt. Allerdings wird auch kolportiert, dass sie trotz hoher Preise für Alkohol gerne picheln.

Das Klima ist rauer als in den südlichen Ländern, in denen wir unser Urlaubsglück suchen. Aber das Wetter ist als Glücksfaktor eh nicht so wichtig. Denn Dänemark und Island belegen die Plätze zwei und drei. Gerade Island, diese Insel mit extrem schwefelhaltiger Luft, auf der die Stadtplaner die Interessen der Trolle berücksichtigen müssen. Vielleicht macht Sonnenschein froher, wenn er selten da ist. Platz vier im internationalen Glücks-Ranking belegt die Schweiz. Berge verleihen Flügel.

Uns unser Deutschland? Rangiert auf Platz 16. Der Fußball-Weltmeister erreicht also gerade so das Achtelfinale der Glücks-WM.  Aber warum bloß? Auf eine heiße Spur bringt uns ein Experte des norwegischen Statistikamtes: „In Norwegen und den nordischen Ländern gibt es dazu sehr geringe Einkommensunterschiede. Wir haben wenig Armut und Arbeitslosigkeit.“

Für Deutschland wurde vom zuständigen Ministerium ganz frisch berichtet, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird. Und dass zwei von drei großen Vermögen nicht durch ehrliche Arbeit, sondern durch Schenkungen und Erbschaften entstanden sind. Fazit: Geld allein macht nicht glücklich. Aber wenn das Geld gerecht verteilt ist, hilft das auf dem Weg zum Glück durchaus.

Merkel und Trump: Szenen keiner Ehe

Wie riecht Donald Trump? Angela Merkel muss es seit diesem Wochenende wissen. Denn geht es nach den bedeutendsten Politik-Beobachtern dieses Landes, hatte die erste Begegnung der beiden Anführer der westlichen Welt vor allem diesen Zweck: Man sollte sich beschnuppern.

Was gar nicht so einfach war. Beim offiziellen Fototermin standen die Sessel weit auseinander, zu erleben war eine Szene, wie man sie aus sehr langjährigen Beziehungen kennt. Unsere Mutti amüsierte sich dezent über den grantigen alten Mann neben ihr, zeigte sich aber von der Körpersprache zugewandt. Mr. President wiederum saß da wie Opa Paul, der wegen einer lästigen Familienangelegenheit das Endspiel des DFB-Pokals verpasst.

Was peinlich und extrem unhöflich wirkte, hat das Weiße Haus inzwischen erklärt. Donald Trump habe die leisen Hinweise der Kanzlerin und die lauten Aufforderungen der Fotografen schlicht und ergreifend überhört. Absicht habe keinesfalls vorgelegen, erklärte sein Sprecher Sean Spicer auf Nachfrage des Spiegel. Vielleicht versteckt sich ja unter dem dichten Blondhaar ein Hörgerät, dessen Akku gerade leer war.

Möglicherweise war der Präsident einfach abgelenkt und in Gedanken schon beim nächsten Dekret. Er hat ja viel zu tun. Er muss zum Beispiel die Betonmischung für seine Mauer festlegen und darüber nachdenken, wie viele muslimische Staaten  mit einem Einreisebann zu belegen sind, damit auch die höchsten Richter der USA zustimmen. Oder hat er überlegt, wie er es mit Angela Merkels Hilfe erreichen kann, dass im Kaufhaus des Westens eine Vitrine mit Tochter Ivankas Modekreationen aufgestellt wird? Hat Ehefrau Melania aus Langeweile ihr Haushaltsgeld für März bereits verprasst und fordert einen Nachschlag, für den das karge Präsidenten-Gehalt nicht reicht?

Solche Probleme vermutet man bei Donald Trump. Vielleicht aber war die Szene pure Strategie, nämlich im Sinne eines Versöhnungssignals an die Adresse radikaler Muslime. Er hat, immerhin, einem unreinen Weib den Handschlag verweigert. Vielleicht hat er diese Chance erschnuppert.

Wir warten auf das Lob des Kalifen. Um dann zu wissen: Unser großer Verbündeter ist mehr Profi als wir alle denken.

Beim Selfie ist die Laus nicht weit

Andere Zeiten, andere Gefahren. Innerhalb weniger Jahre ist das Smartphone für viele Menschen zum treuesten und lebendigsten Begleiter geworden. Die mit den famosen Geräten verbundenen Risiken sind uns aber zu wenig bewusst. Die neueste Entdeckung: Selfies fördern die Verbreitung von Kopfläusen.

Dies behauptet zumindest Professor Hermann Feldmeier vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene an der Berliner Charité. In der Zeitschrift Apotheken Umschau weist er darauf hin,  dass weibliche Teenager immer häufiger befallen würden. Die naturgemäß mit dichtem Haar gesegneten Mädchen steckten beim Selfie fröhlich die Köpfe zusammen. Dies nutzten clevere Läuse zur Übersprungshandlung.  Sollten die Tiere allerdings daneben springen, ist gemäß den Erkenntnissen der Zoologie ihr Schicksal besiegelt. Vier Stunden ohne Blut – und die Laus ist tot.

Die Erkenntnisse des Professors mögen ein Trost für alle Männer seien, die eine Frisur vom Typ Namib-Wüste tragen. Sie haben neuerdings mehr Bärte als früher, sind aber bei Selfies wohl weniger gefährdet. Dafür dürfte bei ihnen Handy-Hygiene das größere Problem sein. Smartphone-Displays sind, wie auch PC-Tasturen, in der Regel mit mehr Keimen behaftet als jede professionell gewartete Ratsstätten-Toilette. Und ein echter Mann stört sich nicht an den Currywurst-Fettschlieren vom Vortag.

Doch es gibt noch mehr Gefahren. Die für Gesundheit im Job zuständige Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin warnt vor schädlichen Beanspruchungen des Muskel- und Skelettsystems der Menschen durch Handys und Tablets. Wer sie allzu exzessiv verwende, bezahle mit Schmerzen in Daumen und Nacken. Beansprucht würden die Augen, weil sie bei schlechten Lichtverhältnissen überanstrengt oder durch Reflexionen geblendet würden. Schließlich führe der Versuch, das Display gegen Sonneneinstrahlung „abzuschatten“, zu ungünstigen Körperhaltungen. Der Smartphone-Mensch verhält sich somit wider die Evolution oder steckt in einem Prozess der Fortentwicklung.

Man sieht: Oft hat ein vermeintlicher Segen eine Kehrseite. Wir sollten also Smartphones und Tablets nie als unser Gehirn betrachten. Sondern als unseren Blinddarm. Und der ist im Zweifel verzichtbar. Weglegen ist erlaubt. Den Läusen hilft das nicht. Aber sie werden, ganz sicher, trotzdem überleben.

 

 

Die Kanzlerin wartet, aber Schützen werden tolerant

Was haben die Sportfreunde Lotte und Angela Merkel gemeinsam? Beide müssen wegen schlechten Wetters auf die Begegnung mit einem übermächtigen Kollegen warten. Hoffen wir für die Kanzlerin, das bis dahin die Frisur und auch die Raute hält.

Ungeduldig sind wir allerdings. Denn Angela Merkels Reise verspricht reichen Erkenntnisgewinn. Sie kann dann aus eigener Erfahrung bewerten, welches Mitglied des „Trio Totalitare“ der schlimmste Schrat unter der Sonne ist. Und wer am ehesten als Herzblatt in Frage kommt. Recep Tayyip, der charismatische Schnauzer, der jeden als Terroristen anschaut, der ihm Parkplatz oder Vorfahrt nimmt? Wladimir, der kompakte Herrenreiter, der keine Eroberung auslässt? Oder doch Donald, der immer der Erste ist, auch wenn man davon ausgehen muss, dass seine Frisur früher auf einem anderen Tier gelebt hat.

Wir wollen es erfahren. Aber ob uns das hilft, ist eine ganz andere Frage. Zu sehr scheinen zurzeit Rache, Aufrüstung, Hass und Intoleranz den Zeitgeist zu bilden.  Es kracht an allen Ecken und Enden.

Alle Liebe scheint auf dieser Welt zu vergehen. Und dann gibt es diese Nachricht: Der katholische Bund der Historischen Deutschen Schützenvereine will in Zukunft auch Homosexuellen und Muslimen die aktive Mitgliedschaft in seinen 1200 angeschlossenen Bruderschaften erlauben. Das beinhaltet die Möglichkeit, die Königswürde zu erringen.

Respekt, mein lieber Schützenbruder, denkt man sich da. Und fragt sich gleichzeitig, was es uns sagt, wenn ausgerechnet die Hüter einer urdeutschen Tradition  zeigen, wie Toleranz geht. Wir freuen uns ehrlich, weil gute Nachrichten rar geworden sind. Und halten fest: Offenheit ist leicht, wenn man sie bloß will. Salut!

Bleibt lässig, auch wenn die Roboter kommen

860.000.000. Eine gewaltige Zahl. So viele Überstunden wurden im vergangenen Jahr von den abhängig Beschäftigten in Deutschland geleistet. Wir haben Arbeit, aber unsere Zeit dafür scheint zu kurz zu sein.

Knallharte Controller oder auch Kampagnentexter der so genannten Initative Soziale Markwirtschaft werden sofort Einspruch einlegen. 860 Millionen Überstunden seien doch lächerlich wenig. Das seien pro Kopf bloß rund 20 Stunden Zusatzarbeit. Und das pro Jahr. Davon gehe niemand kaputt. Wer hieraus ein Problem mache, sorge dafür, dass unser Exportweltmeister-Land wieder zum kranken Mann Europas werde.

Dumm ist bloß: Diese Überstunden sind von seriösen Unternehmen seriös registriert und seriös in Freizeit oder Geld ausbezahlt worden. Das, was in irgendwelchen Ausbeuter-Klitschen zum Nulltarif heruntergeklopft worden ist, ist in dieser Statistik nicht enthalten. Man kennt die Zahlen nicht. Man soll ja nicht darüber reden. Und außerdem: Wer als Mitarbeiter einer Firma immer noch meint, dass es in Ordnung sei, zwischen Freitagnachmittag und Montagfrüh völlig unproduktiv zu existieren, der hat „die Welt da draußen“ noch nicht verstanden. Für jeden Spezialisten, den eine Firma für teures Geld beschäftigt, sitzt in der Internet-Cloud ein anderen, der denselben Job für ein Drittel des Geldes erledigt.

Aber diese armen Schlucker werden schon bald das kleinere Problem sein. Die Ära der Industrie 4.0 ist angebrochen. Roboter greifen ins Geschehen ein und werden uns Menschen mehr und mehr den Takt vorgeben. Mehrere Studien prophezeien, dass bis zum Jahr 2030 in Deutschland die Hälfte der heutigen Jobs aufgrund von Digitalisierung wegfallen wird. Der einst stolze Facharbeiter wird dann seinen Tag damit verbringen, als Maschinentherapeut der Maschinen beim Arbeiten zuzusehen und nur dann eingreifen, wenn es irgendwo hakt. An die Computerstimme der Service-Hotline haben wird uns schon gehört. Auch einen Beitrag wie diesen schreibt ein Roboter schneller.

Was bleibt dem Menschen? Er wird sich in einer auf Präzision und Produktivität getrimmten Arbeitswelt zurechtfinden müssen. Alles muss stimmen, Kollege Roboter zeigt uns, wie das geht. Trödeln schadet dem Standort. Versagen waren gestern.

Aber Stopp! Ist das wirklich so erstrebenswert? Der kunstvoll gezirkelte Freistoß beim Fußball sorgt selten für genauso lebendige Diskussionen wie der zu Unrecht gegebene Elfmeter. Der menschliche Fehler ist nicht nur charmant. Er treibt uns auch an. Denn wer kann in einer von Maschinen global optimierten Welt besser sein als andere?

Was also tun? Sollen wir ohne Pause schuften, damit wir noch besser als die Roboter sind? Falscher Weg, denn der Mensch ist nie eine Maschine.  Bleiben wir gelassen. Es gibt ein Leben vor dem Tod. Und das macht selten Überstunden.

 

 

Bleiben wir cool, der Sultan ist besoffen

Im Jahr 1990 hat der US-amerikanische Anwalt Mike Godwin diese berühmte These aufgestellt: In Diskussionen geht ab einer gewissen Dauer die Wahrscheinlichkeit eines Nazivergleichs gegen Eins. Bleiben wir also gelassen. Was gerade passiert ist völlig normal.

So zu denken fällt uns schwer.  Denn der unsympathische Großkotz und türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan hat den deutschen Behörden „Nazi-Methoden“ vorgeworfen. Das ist für uns der denkbar schlimmste Vorwurf.

Anderererseits stimmt es doch. An jedem Stammtisch, an dem ein paar Besoffene über Politik diskutieren, taucht irgendwann „der Adolf“ auf. Er würde jeglichen Laden ordnen, den es gerade aufzuräumen gilt.

Und ja, Erdoğan ist besoffen. Nicht von Bier, Wein oder Raki, versteht sich. Sondern von der Macht – und die ist eine starke Droge. Wer jedoch im benebelten Zustand angreift, agiert besonders wild. Das Volk wiederum, so das Kalkül, ist mit dem Bedrängten, der sich gegen böse fremde Mächte stemmt.

Wir sollten also, sofern alle für Kundgebungen üblichen Auflagen erfüllt sind, das Wahlkampf-Geschrei ertragen. Überlassen wir die Reden  Erdoğans den  Satirikern, bekämpfen wir ihn ernsthaft dort, wo er Freiheitsrechte mit den Füßen tritt und menschliche Existenzen zerstört.

Und vergessen wir nicht: Ungefähr die Hälfte der Türken ist gegen seine Politik.  Erdoğan ist laut. Aber er ist nicht das Volk. Wir haben Probleme mit einer Regierung, aber nicht mit „den Türken“.

P.S.: Gäbe es bei uns tatsächlich Nazi-Methoden – man ließe die Redner ins Land. Aber sie kämen nicht mehr nach Hause. Das ist aktuell kein Vorgehen der Behörden. Zumindest nicht in Deutschland.

 

 

 

 

Wir werden gefastet. Aber wir sind erleuchtet

Gerade sagt man uns wieder, wir sollten doch fasten. Wenn uns alltägliche Freuden eine gewisse Zeit lang fehlten, lernten wir sie wieder als Geschenk zu schätzen. Erleuchtung durch Verzicht – das sei der gute Weg.

Stimmt schon, wir könnten was tun. Smartphonefasten gäbe uns den aufrechten Gang zurück. Kaffeefasten würde unseren Blutdruck senken.

Autofahren hält selbst der ADAC für eine hervorragende Idee. Und Fußballfasten würde manchen Männern die überraschende Erkenntnis vermitteln,  dass da auf dem Sofa noch jemand sitzt.

Dumm bloß, dass wir gerade in ein vielfältiges Zwangsfasten verwickelt werden. Ein Toleranz- und Demokratiefasten greift um sich. Das Zinsfasten kennt jeder, der bloß ein paar Euros angelegt hat. Und der neueste Armutsbericht lehrt uns, das immer mehr Menschen zum endlosen Geldfasten verdammt sind.

Wir fasten zu wenig und werden zu viel gefastet. Nur Dummheit fastet nie. Das stört uns. Aber es hilft uns auch, wenn es durchschaut haben und es ändern können.

Alsdenn, nicht verzagen. Gönnen wir uns ab und zu ein bisschen Sorgenfasten. Und: Bleiben wir erleuchtet!