Die Obergrenze als Quengelzone

Die Quengelzone ist das Grauen aller Eltern. In der Nähe der Supermarktkassen sind all die Dinge aufgebaut, die Kinder lieben, obwohl sie ziemlich sinnlos oder ungesund sind. „Will haben, will haben“ schluchzen die Kleinen, bis man um des lieben Friedens nachgibt. Unser aller Mutti, Angela Merkel, hat so ein Problem. „Obergrenze, Obergrenze, Obergrenze“, ruft der trotzige Horst. Vermutlich wird er seinen Willen kriegen.

Die Quengelzone der Bundespolitik lautet Franz-Josef-Strauß-Haus, Mies-van-der-Rohe-Straße 1, 80807 München. Es ist die Adresse der CSU-Zentrale. Von dort aus wird das Quengeln als bewährte Taktik zur Durchsetzung politischer Ziele zelebriert. Auf diese Weise wurden zum Beispiel Betreuungsgeld und Pkw-Maut durchgesetzt.

Und nun die Obergrenze. So wichtig ist sie Parteichef Horst Seehofer, dass er ankündigt, seine Partei in Berlin lieber in die Opposition zu führen, anstatt auch nur über einen Kompromiss nachzudenken. Was soll Angela Merkel tun? Entweder sie zuckt mit den Schultern und muss dann in ihrer nächsten Regierung jemand anders finden, der sich um Schnitzel aus echtem Fleisch kümmert. Das sollte machbar sein. Der Vorteil: Die kleinste Fraktion im Parlament müsste ihre Forderungen ohne Zugang zur Macht stellen. Der Nachteil: Das Quengeln nähme kein Ende, Wahlkampf und Talk-Shows hätten bis zur Wahl nur selten ein zweites oder gar drittes Thema.

Variante 2: Man stellt den Mann ruhig, indem man ihm sein Willen lässt. Die Obergrenze wäre da, ihre Nachteile auch. Sollte sie sich in den Herkunftsländern der Flüchtlinge herumsprechen, könnte es zu einem Ansturm führen, da man ja zusehen muss, noch in Deutschland unterzukommen. Die Politik bekäme auch eine Frage gestellt, auf die bisher bloß die AfD eine Antwort hat: Was ist zu tun, wenn Asylbewerber Nummer 200.001 an der Grenze steht? Schießen?

Andererseits: Im Idealfall ist Horst Seehofer ruhig gestellt. Volk, Politiker*innen, Medien und Gelehrte könnten beginnen, über wichtigere Themen zu diskutieren. Sicherung der Demokratie, Zukunft der Arbeit, gerechte Verteilung des Wohlstands, Beendigung von Kriegen, erfolgreiche Bildung, lebenswertes Altern, und, und, und…

Manchmal braucht man die Kraft, Dinge zu ertragen, die man nicht verhindern kann. In der Quengelzone ist das öfters so. Eine Mutti weiß das.