Die Märkte mögen es charakterlos

Am Ende eines Jahres wird Bilanz gezogen. Dazu gehört stets auch die Frage, wer der Liebling „der Märkte“ ist. Welches Unternehmen also die Geldfürsten des Finanzkapitalismus am meisten begeistert. Das Geheimnis ist gelüftet, der Star der Börsianer ist gekürt: Der Apple-Konzern darf sich „wertvollstes Unternehmen der Welt“ nennen.

Das US-Unternehmen wird an den Finanzmärkten mit 625 Milliarden Dollar bewertet. Das ist mehr, als die sieben am höchsten bewerteten deutschen Firmen zusammen aufweisen. Als Mitglieder der digitalen Elite verstehen wir das.

Zwar kann ein ein iPhone kaum mehr als ein ganz offiziell in Fernost produziertes Smartphone. Aber dank neuem Wasserschutz ermöglicht es Selfies beim Schnorcheln, es hat Stereo-Lautsprecher, drahtlose Kopfhörer und ein Retina-Display mit Force Touch. Erstmals sind auch die Antennenstreifen an den Gehäusekanten effektiv getarnt. Schließlich stehen dem Quad-Core-Prozessor A10 Fusion 3 GB RAM zur Seite. Das ist, keine Frage, Fortschritt pur. Darauf hat die Welt gewartet.

Mit kühlem Kopf betrachtet, wirkt das iPhone übertrieben teuer. Aber vielleicht werden die Apple-Arbeiter besser bezahlt.  Mag sein, dass das für die Software-Entwickler, Designer und Marketing-Experten gilt. Fabrikarbeit lässt auch unser Vorzeige-Unternehmen allerdings wie alle anderen in Ostasien leisten. Zu konkurrenzfähigen, also elend schlechten Konditionen für die Menschen am Band.

Das allerdings wird gegenüber den Öffentlichkeit weggewischt. Was erst recht für die Förderung der für ein iPhone erforderlichen Rohstoffe gilt. Da sind so viele Subunternehmer, Rohstoffhändler und Milizenchefs aus unsicheren Regionen beteiligt, dass keine Verbindung zu Apple mehr hergestellt werden kann, wenn wieder einmal irgendwo in Afrika der Einsturz einer Mine ein paar Bergbau-Sklaven tötet. Und die in dreistellihger Millionenhöhe hinterzogenen Steuern von Apple lagern dem Vernehmen nach auf einer Südsee- oder Karibik-Insel. Wo jedoch, erscheint auf keinem Display.

Unser Fazit: „Die Märkte“ lieben Blender, Betrüger und eiskalte Ausbeuter. Hauptsache, man schaut gut aus. Champagner für die Märkte!

 

 

 

Die Leberwurst hat keinen Ringelschwanz

Wir alle kennen das Sommerloch. Wenn die Tage besonders arm an Nachrichten sind, nutzen ansonsten wenig beachtete Politiker die Chance, um mit originellen bis richtig blöden Vorschlägen auf sich aufmerksam zu machen. Neuerdings scheint es ein Winterloch zu geben. Jedenfalls ist Agrarminister Christian Schmidt gerade glanzvoll zur Stelle.

Der fränkische CSU-Politiker will, in persönlicher Sorge um das Wohl der Verbraucher, Fleischnamen für pflanzliche Lebensmittel verbieten lassen. Begriffe wie „vegetarisches Schnitzel“ oder „vegane Currywurst“ seien „komplett irreführend“. Also weg damit.

Den Beifall der begeisterten Fleischesser hat Schmidt sicher. Diese empfinden es als geradezu obszön, dass Freundinnen und Freunde der tierfreien Nahrung ausgerechnet ihren kulinarischen Idealen nacheifern. Wer Salat und Gemüse wolle, so deren Meinung, solle das doch bitteschön auch so verzehren, wie es sich gehört. Also in geschnipselten Blättern oder als giftgrüne Pampe. Lebensmittel seien schließlich nicht dafür da, um zwanghaft verdrängte Sehnsüchte zu befriedigen.

Aber so einfach ist es nicht. Das Schnitzel ist ja nur die Darreichungsform. Eine Ähnlichkeit mit dem an der Herstellung beteiligten Tier hat es überhaupt nicht. Es gibt keinen Bierschinken mit Rüssel und keine Leberwurst mit Ringelschwanz. Insofern stellen unsere Fleisch-Produkte eine dramatische Irreführung der Konsumenten dar.

Überhaupt hat dieses Prinzip eine lange Tradition. Mit Erbswurstsuppe wurden in Deutschland Kinder gefüttert, als italienische Salami noch weithin unbekannt war. Molekularköche, die Rinderlende als Schaum servierten, wurden als innovativ gefeiert und nicht als Postfaktiker verfemt. Völlig straffrei wurde dafür geworben, dass ein überzuckertes Kinderjoghurt „so wertvoll wie ein kleines Steak“ sei.

Und dann noch alkoholfreies Bier. Auch das ein dem Wesen nach unreiner Frevel. Wenngleich es besser schmecken soll als manch schäumende Industriepampe. Wer weiß, vielleicht ist ja das die eigentliche Angst der Menschen, die 100 Gramm totes Tier für 29 Cent verhökern. Das Veggie-Wurst lecker ist.

Sollte das der Fall sein, tolerieren wir gerne weitere einschlägige Produkte. Die längste Wurst-Praline der Welt? Warum eigentlich nicht?

Nicht ist spannender als das Andere

Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, glaubt man gerne, dass man recht gut über Gott und die Welt Bescheid weiß. Überraschende Erlebnisse sind dann besonders schön.

Bei einem Diskussionsabend sollten gehörlose Menschen schildern, wie sie sich Deutschland im Jahr 2026 vorstellen. Als einziger Gast hatte ich bis dahin nichts mit Hörgeschädigten zu tun gehabt. Umso größer war mein Erkenntnisgewinn.

Überrascht war ich darüber, dass es in Bayern rund 8000 Gehörlose gibt. Keine kleine Zahl. Mit der vom Grundgesetz eigentlich garantierten Chancengleichheit ist dennoch nicht weit her. Um in der Welt der Hörenden mitzuhalten, sind Gehörlose auf Dolmetscher angewiesen. Wie ist das bei einem Studium? Dann muss diese Unterstützung Semester für Semester aufs Neue beantragt werden.

Wie ist es mit der Politik? Es dürfte keinen Partei-Ortsverein geben, in dem Gehörlose dank Übersetzer mitreden können oder der es gar wagen würde, Nicht-Hörende als Kandidaten zu nominieren. Eine Diskussion über Quoten bei der Vergabe von Mandaten wäre nicht verkehrt.

Apropos: Eine andere Anwesende hatte einen Ausbildungsplatz deshalb bekommen, weil ihre Firma die Schwerbehindertenquote nicht erfüllt hatte. Allerdings wurde ihr vom Chef erklärt, dass man lieber eine andere Behinderung genommen hätte. Bei Gehörlosen müssten viel mehr Formulare ausgefüllt werden. Sicher nett, das so zu hören.

Eine Lehrerin fasste es so zusammen: „Ich könnte viel, aber ich komme aus meiner kleinen Gehörlosen-Welt nicht heraus.“ Anders gesagt, leistet es sich diese Gesellschaft, Fähigkeiten und Potenziale ungenutzt zu lassen, weil sie bei sozialen Fragen immer zuerst auf die Kosten schaut.

Was lernt man noch bei einer solchen Begegnung? Hörende sollten mit Gehörlosen gestenreich reden, auch wenn sie in der Gebärdensprache möglicherweise Unsinn erzählen. Man soll beim Reden den Gegenüber anschauen, damit die Lippen gelesen werden können. Ein Bart stört nicht, sofern er nicht über die Oberlippe wuchert. Man sollte deutlich, aber nicht zu langsam reden, denn dann fühlt sich der Andere doof.

Es gibt Dialekte: Die Gebärde für „Sonntag“ ist in Norddeutschland anders als im Süden. Wer mit Gehörlosen zusammenleben möchte, sollte wissen: Beim Kochen scheppern die Töpfe gewaltig. Die Geräusche stören ja nicht.

Wie aber war der Wunsch für 2026? Deutschland soll bunt sein, mit gleichen Möglichkeiten für alle Menschen. Unterschreibe ich sofort, denn ich habe erlebt: Nichts ist spannender als das Andere.

Mut zur Offenheit statt Leichenfledderei

Der Begriff Leichenfledderei bezeichnet laut Online-Lexikon Wikipedia das „Ausrauben“ beziehungsweise „Ausplündern“ von Toten. Das kann man sich als schlichte Grabräuberei vorstellen. Aber auch als Versuch, aus Mord und Totschlag persönlichen Profit zu schlagen. Der Terror-Anschlag von Berlin hat gezeigt, dass es Politiker gibt, denen es in dieser Hinsicht vor gar nichts graust.

Das zurzeit übelste Beispiel hierfür ist der nordrhein-westfälische AfD-Politiker Marcus Pretzell, dem Klatsch-Publikum gut bekannt als Lebensgefährte von Parteichefin Frauke Petry. Die allgemeine Schockstarre hatte sich kaum gelegt, niemand wusste sicher, ob es sich um einen Anschlag oder einen Unfall gehandelt hatte, da verbreitete er über Twitter: „Es sind Merkels Tote!“. Was wohl heißen soll, dass das alles nie hätten passieren können, wenn man Reisepässe besser kontrolliert hätte. Hirnkranke Mörder haben ja keine Papiere, sondern tragen ein IS-Logo auf der Stirn.

Es wäre eine Gelegenheit, sinnschwaches AfD-Gebrabbel zu entlarven. Aber so einfach ist das nicht. Diese Partei ist paradox beliebt. Viele glauben, dass sie den „deutschen Michel“ (ein Begriff aus der Ära, in der Ausländer noch lustige Gastarbeiter waren) vertritt. Obwohl ein bisschen Blättern in ihrem Wahlprogramm genügen würde, um das Gegenteil zu beweisen.

Die AfD will die finanzielle Unterstützung Alleinerziehender abschaffen, alle Frauenquoten und Gleichstellungsbeauftragten streichen, will nur noch die Familie „aus Vater, Mutter und Kindern“ steuerlich fördern. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk – bisher mit reichlich Gratis-Fußball – soll privatisiert werden. Schon Zwölfjährige sollen als Straftäter verurteilt werden können. Waffenbesitz soll erleichtert, die Erinnerungskultur an die NS-Zeit soll aufgegeben werden.

Ebenso möchte die AfD die so genannte „Klimalüge“ stoppen und die für die Reichen lästige Erbschaftssteuer sowie die Vermögenssteuer abschaffen. Mietpreisgrenzen soll nicht mehr gelten. Die Lebensarbeitszeit soll parallel zu Lebenserwartung verlängert werden.

Ein Horrorkatalog für „kleine Leute“, sollte man meinen. Vielleicht bemerken sie es rechtzeitig vor der nächsten Wahl.

Ganz akut sind zwei Thesen aber wichtiger: Wer jetzt nicht die starke Hand fordert, hat mehr Mut als der, der nur nach Rache ruft. Und: Freie und offene Gesellschaften sind für ihre Bürger*innen auf jeden Fall am sichersten. Glauben Sie nicht? Dann denken wir doch mal an die Türkei…

Nach den Bomben fehlen die Worte

Aleppo. Es gibt diesen Drang, etwas zu dieser Tragödie zu sagen. Besser noch, herauszuschreien. Aber die Worte fehlen. Warum ist es so?

Ein Stück weit ist es Fassungslosigkeit. Es passt nicht in meine Vorstellung von der Welt im Jahr 2016, dass eine bewohnte Stadt ohne Rücksicht auf die in ihr lebenden Menschen in Schutt und Asche gelegt wird. Totaler Krieg, das sollte doch seit 1945 vorbei sein.

Ein Stück weit ist es empfundene Sinnlosigkeit. Die Regierungen von Syrien und Russland haben ihre Soldaten reihenweise Kriegsverbrechen gegen Unschuldige begehen lassen. Bestrafen wird sie dafür niemand. Auch Mörder auf der Gegenseite werden einfach so davonkommen. Zu viele töten ohne eigene Angst.

Was bleibt? Die Frustration darüber, elend lange hilflos zugeschaut zu haben.

Schließlich die Hoffnung, dass es wenigstens jetzt besser wird. Dass möglichst viele Menschen, vor allem Kinder, gerettet und versorgt werden und irgendwann in ihrer Stadt neu beginnen können.

Daran möchte man glauben. Schweigend. Mehr geht gerade nicht.

 

 

 

 

 

 

Leistung muss sich lohnen!???

Es ist das große Versprechen des Kapitalismus: Leistung lohnt sich. Man müsse sich nur anstrengen und leistungsbereit sein, wenn man gut durchs Leben kommen wolle. Leider handelt sich für viele Menschen um eine Lüge. Tatsächlich ist es in diesem Land so: Wer oben ist, bleibt wichtig und reich. Wer unten steht, braucht viel Glück und hilfreiche Zufälle, um nach oben zu kommen.

Diese Erkenntnis vermittelt der Armutsbericht der Bundesregierung. Demnach ist es ein Märchen, dass das Geld im Land wenigstens einigermaßen gleichmäßig verteilt ist. Das reichste eine Prozent der Bevölkerung besitzt in Deutschland bis zu 26 Prozent des Gesamtver­mögens. Die reichsten zehn Prozent haben zwischen 58 und 74 Prozent des gesamten Nettovermögens.

Keiner würde den Reichen den Reichtum neiden, wenn er offensichtlich erarbeitet worden wäre. Stimmt aber nicht. 2014 wurden 40 Milliarden Euro vererbt, im Jahr 2007 waren es erst 22 Milliarden Euro. Das Volumen von Schenkungen stieg in diesem Zeitraum von 13 auf 70 Milliarden Euro.

Der materielle Vorsprung von Kindern reicher Eltern wächst und wächst. Denn das so genannte Jobwunder hat massig Billigjopbs hervorgebracht. Von ganz unten nach ganz oben zu kommen, klappt wirklich gut allenfalls im Profi-Fußball oder in der Politik.

Letztere könnte all das ändern, mag aber nicht. Erbschaftssteuer gefährdet Arbeitsplätze, lautet die Faustregel der Vermögensschützer von FDP bis AfD.

Tja, gibt es wenigstens ein bisschen Trost? Probieren wir es mit einem Sprichwort: „Armut macht erfinderisch, Reichtum gefühlsarm.“ Das lobt die Besitzlosen, immerhin. Allerdings müssten die Vermögenden damit anfangen, Geldscheine unerotisch zu finden. Bald ist Weihnachten. Wir können es uns ja wünschen.

Tatort ja, Dobrindt nein

Fakten, Fakten, Fakten… Anlässlich der Kür von „Postfaktisch“ zum „Wort des Jahres“ wird von vielen klugen Zeitgenossen darüber geklagt, dass die Menschen nur noch ihren Gefühlen folgen. Ist die Lage wirklich so schlimm?

Wie immer im Leben kommt es darauf an. Wir dürfen die Bedeutung der Wirklichkeit nicht überschätzen. Die Evolution hat uns die Begabung zur Phantasie geschenkt, weshalb es völlig unsinnig wäre, würden wir uns ausschließlich den Fakten widmen. Einhundert Prozent Realität – das ist Überlebenskampf und Stillstand. Träumen – das ist Fortschritt und Revolution. Der Flug zum Mond war als Idee zu seiner Zeit postfaktisch.

Der wahre Faktiker liest keine Romane. Was, bitteschön, sollte ihn interessieren, was sich ein verwuschelter Schriftsteller bei drei Schachteln Zigaretten und zwei Flaschen Rotwein ausgedacht hat? Postfaktisch muss auch nicht aggressiv sein. Wer gerne Krimis liest, wird darüber nicht zum Mörder. Schließlich: Wer sagt uns, dass alles so ist, wie wir glauben. Die Stubenfliege sieht die Welt anders. Aber sieht sie sie deshalb falsch?

Übel ist das Postfaktische allerdings dann, wenn es einem Menschenfeind gelingt, mit unwahren Botschaften andere zu begeistern. Wenn ein schlechter Krimi nach und nach real wird. Wenn zum Beispiel völlig faktenfrei behauptet wird, dass Menschen mit einem bestimmten Äußeren immer böse sind, weshalb sie bekämpft werden müssen. Das hat schon viele Leben gekostet.

Gefährlich ist auch, wenn der träumende Postfaktiker zum unbelehrbaren Wirklichkeitsleugner geworden ist. So wie der deutsche Verkehrsminister. Er drückt seine Pkw-Maut gegen alle Widerstände durch, obwohl er selber wissen müsste, dass er sein Ziel von 500 Millionen Euro jährlichen Einnahmen nie und nimmer erreichen wird. Da phantasiert einer. Und alle zahlen mit.

Bleiben wir phantasievoll und kreativ. Aber ziehen wir die richtigen Linien. Tatort ja, Dobrindt nein – dann muss uns „Postfaktisch“ niemals schrecken.

 

 

 

Trumps nächster Coup: Lady Gaga regiert mit

Donald Trump ist ein erstaunlicher Mann. Im Wahlkampf hatte sich der Milliardär mit den vergoldeten Gemächern zum Anwalt der kleinen Leute erklärt. Er wollte aufräumen mit dem so genannten Establishment. Wer bis dahin in Washington als Politiker, Mitarbeiter oder Lobbyist Einfluss hatte, würde in die Wüste geschickt und könnte sich allenfalls noch als Bauarbeiter an der mexikanischen Mauer bewerben. Und nun? Alles ist anders – und der neue US-Präsident schämt sich nicht mal.

Statt seine Wahlverprechen zu erfüllen, hat er einige Jobs in seiner künftigen Entourage an Milliardäre vergeben. Neuer Finanzminister wird ein Superreicher. Trumps Begründung: So einer wisse wenigstens, wie man Geld verdient. Weitere Experten kommen von Goldman Sachs. Das ist in westlichen Demokratien nicht ungewöhnlich. Auch der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, entstammt diesem Stall. Die Richtung für das Weiße Haus wird klar. Neuer Verteidigungsminister soll mit James Mattis ein General werden, der öffentlich bekannt hat, dass er Freude am Töten hat.

Das Justizministerium könnte, dieser Logik folgend, an einen Einbrecher gehen. Dessen Chef sollte ja wissen, wie man ein Verbrecher verübt. Als Sportminister wäre Lance Armstrong erste Wahl. Er hat Ahnung davon, wie man im globalen Leistungssport erfolgreich sein kann. Mit Blick auf das Ernährungsministerium hat Gevatter Tod dem Präsidenten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jim Delligatti, Erfinder des Big Mac, hätte nachweisen können, dass man mit dieser kulinarischen Kreation 98 Jahre alt werden kann. Leider ist er gerade gestorben.

Landwirtschaftsminister sollte ein Manager von Monsanto werden. Einer, der tatsächlich daran glaubt, dass man Gylaphosat trinken kann.

Die Frauenministerin schließlich dürfte im weitesten Sinne aus dem Showbusiness kommen. Wobei noch nicht klar ist, ob sich Donald Trump für Pamela Anderson oder doch gleich für ein Pornosternchen aus den einschlägigen Filmstudios in Los Angeles holt. Absolute Überraschungskandidatin wäre allerdings Lady Gaga. Sie wäre zugleich Trumps Geniestreich schlechthin. Schließlich ist sie bloß 1,55 Meter groß. Authentischer kann man die kleinen Leute nicht vertreten.

Wir werden es sehen…

 

 

Die große Freiheit kann ungesund sein

Ist das nicht wunderbar? Unsere Arbeitsministerin Andrea Nahles schwingt die Fackel der Freiheit. Die Menschen sollen sich aus den Fesseln der geregelten Arbeit lösen können Das Leben in digitalen Zeiten wird schön sein.

Sollen wir das wirklich glauben? Zumindest fällt das schwer, wenn man einen Ursprung der Initiative der SPD-Ministerin kennt. Nämlich ein Positionspapier des Bundesverbandes der Arbeitgeber. Darin wird mit Blick auf die Digitalisierung und die Zukunftschancen der deutschen Wirtschaft das Hohelied der Deregulierung gesungen. Acht-Stunden-Tag? Muss weg. Fünf-Tage-Woche? Ist von vorgestern. Denn merke: Schutzgesetze stören bei der bedarfsgerechten Ausbeutung des Humankapitals.

Also lädt man die Menschen zum Mitmachen ein. Und das gefällt den 30-Jährigen, die ihr Büro als Smartphone oder Tablet mit sich herumtragen. Arbeiten wo man will, wan man will, so oft man will – bis das aktuelle Projekt fertig ist.

Bloß: Nur wenige merken, dass clevere Arbeitgeber nur darauf warten, dass sich das flexible Arbeiten eingespielt hat. Dann werden Zielvorgaben Stüclchen für Stückchen weiter nach oben gesetzt. Was den jungen digitalen Helden der Arbeit erst dann bewusst wird, wenn sie mit 45 zum Burnout-Patienten geworden sind. Ob sie danach noch dabei sind, ist fraglich. Kranke oder Leistungsschwache sind in der Cloud nicht gerne gesehen.

Aber Flexibilität hilft uns doch, unser Leben zu organisieren. Sicher, und wer Freiheit geschickt nutzt, wird damit glücklich werden. Wer aber sicher ist, dass abhängig Beschäftigte ihren Chefs ganz selbstbewusst regelmäßig einen Korb geben werden, ist sehr optimistisch. Wahrscheinlicher ist: Wenn die Fackel der Freiheit richtig brennt, wird sie unter unseren Bürostuhl gestellt. Und das bringt uns – jede Garantie – so richtig auf Trab.