Als Bayern modern war – anno 1946

Da hat die CSU dumm ausgeschaut: Unverbindliche Volksbefragungen wollte sie durchführen. Doch die höchsten Richter des Landes spielten nicht mit. Einfach mal fragen – das sei gegen die Bayerische Verfassung, stellten sie fest.

Wie? Bayern? Eigene Verfassung? Was soll das denn? So dürften viele fragen. Aber es gibt dieses Regelwerk für unser Zusammenleben. Und es ist gar nicht schlecht.

Gemäß dieser Verfassung geht alle Staatsgewalt vom Volke aus. Das klingt gut und anspruchsvoll, stimmt aber wohl eher kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals, als der Einfluss multinationaler Konzerne auf die Politik noch  gering war.

Als Staatsbürger sahen die alten Bayern jeden Menschen ab 18. Fragen wie ethnische Herkunft oder religiöse Ausrichtung sollten keine Rolle spielen. Schließlich sollte jedermann die Freiheit haben, „innerhalb der Grenzen der Gesetze und der guten Sitten alles zu tun, was anderen nicht schadet.“ Allerdings ist „die Bekämpfung von Schmutz und Schund“ als staatliche Aufgabe definiert.

Bayerns Verfassung sagt jedem Menschen eine angemessene Wochnung zu. Menschliche Arbeitskraft ist „als wertvollstes wirtschaftliches Gut eines Volkes“ vor Ausbeutung zu schützen, der Gebrauch von Eigentum hat – so die Verfassung – auch dem Gemeinwohl zu dienen.

Und dann gibt es noch diesen Artikel 105: „Ausländer, die unter Nichtbeachtung der in dieser Verfassung niedergelegten Grundrechte verfolgt werden und nach Bayern geflüchtet sind, dürfen nicht ausgeliefert oder ausgewiesen werden.“

So sah man die Dinge im Jahr 1946. Woraus wir lernen : Manchmal kann früher auch moderner sein. Klüger auf jeden Fall.