US-Fernsehduelle: Gebt uns Muhammad Ali zurück

Die USA waren auch schon mal spannender. Nächte haben wir uns um die Ohren geschlagen, um Mondlandungen oder famose Boxkämpfe zu verfolgen. Heute bekommen wir Magerkost – in Form von Fernsehduellen zwischen Hillary Clinton und Donald Trump.

Wer uns den so genannten Schlagabtausch als Ereignis verkaufen möchte, verwendet gerne das Wort „historisch“. Das sind Fernsehduelle wahrlich nicht. Wir müssen uns nur an die vorab als famos angekündigten Redegefechte zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück erinnern. Jeglicher Anflug von Attacke wurde als grandioser Höhepunkt verbucht, jedes 0:0 im Bezirksliga-Fußball wäre spannender gewesen. Als Extrakt der Diskussionen ist heute Merkels Satz „Sie kennen mich“ überliefert. An alles andere denken nur engagierteste Beobachter.

Und nun sollen wir nach Amerika schauen. Dort, wo sich eine außerordentlich unsympathische Frau mit einem ausgewiesenen Ekelpaket auseinandersetzt. Diese streiten also über den im neoliberalen Finanzkapitalismus verschwindenden Mittelstand, über Chancengleichheit für weiße Automobilarbeiter, Mittelstandfrauen jeglicher Herkunft und Transgender sowie über den Rest der Welt, den Hillary Clinton von vielen roten Teppichen und Donald Trump von Begegnungen mit osteuropäischen Schönheitsköniginnen kennt.

Man wird das Gefühl nicht los, dass Barack Obama villeicht kein ganz großer, aber jedenfalls ein besonderer US-Präsident war, den wir schon bald vermissen werden. Klar, wir in Deutschland bevorzugen die Kandidatin des Establishments. Weil sie wohl weiß, wie es sich regiert. Aber die Zahl der Amerikaner, die daran glauben, dass ein Milliardär, der offenbar keine Steuern zahlt, ihre Rettung ist, ist offensichtlich nicht unerheblich.

Absurdes Theate. Also muss es erlaubt sein „Wählt doch, wen Ihr wollt“ zu sagen. Zumal das so stimmt. Die Nacht ist zum Schlafen da. Und wenn Ihr uns vom Gegenteil überzeugen wollt, dann bringt – zur Original-Sendezeit – einen WM-Kampf mit Muhammad Ali. Ansonsten: Gute Nacht. Langweilige Fernsehduelle haben wir bald selber wieder.