Im Atem steckt Begeisterung

Schön und pur ist die hohe Wissenschaft immer dann, wenn sie sich daran macht, scheinbar zweckfrei die letzten Geheimnisse unseres Daseins zu entschlüsseln. Genau so, wie dies gerade Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemie und der Johannes-Gutenberg-Universi­tät in Mainz tun: Sie behaupten, an der Zusammensetzung der Abluft von Kinos feststellen zu können, wie das Publikum einen Film findet.

Zunächst fragt man sich: Was soll das, woran erinnert uns das? Um den ersten Teil der Frage zu beantworten, sollte man am besten Wissenschaftler sein. Dann weiß man, dass das Forschen auch dann Sinn hat, wenn es ohne Ziel geschieht. Es gibt viele Erfindungen, deren Nutzen sich erst dann gezeigt hat, als sie bereits gemacht waren. Teflon wurde für die Raumfahrt erforscht. In den daraus gemachten Pfannen brutzeln heute die schönsten Schnitzel dieser Welt.

Teil zwei der Frage führt uns direkt zu einer inzwischen weithin vergessenen Fernsehshow: Willkommen bei „Wetten, dass…?“.  Wir denken an zahllose abstruse Prüfungen.  Emotionsnachweis via Abluft ist kaum anders als das Erkennen von Buntstift-Farben am Geschmack.

Unsere Kino-Forscher jedenfalls betrachten die mit Hilfe eines Massenspektrometers gemessenen Werte als eindeutig. Man könne sicher darauf schließen, ob Komik, Dialog oder Kampf gezeigt wurden. Besonders klar sei, so die Mundgeruchs-Analytiker, die chemische Signatur der „Tribute von Panem“ gewesen. Menschen atmeten mehr als 800 chemische Verbindungen in winzigen Mengen aus. Diese könnten sichtbar gemacht wer­den. Der­zeit werden die Daten von „Star Wars“ ausgewertet.

Die Werbeindustrie nimmt diese Chance, die Menschen auszuforschen, gewiss dankbar entgegen. Wir fragen allerdings, wie es zu werten ist, wenn Zuschauer aus Langeweile wegdösen. Etwa während eines Beitrages aus der Reihe „Bayern München kämpft um die Deutsche Meisterschaft.“

Und uns fehlt Klarheit hinsichtlich der Frage, ob die Art der Gastronomie an den Zugängen zum Kino Einfluss auf die Abluft-Analyse hat. Vielleicht war es kein Vampir-Film. Es war der Döner-Stand.