Der Fußball und die grenzenlose Gier

Aus der Geschichte kennt man den Begriff „Imperiale Überdehnung“. Dieser besagt, dass ein mächtiges Reich an seiner grenzenlosen Gier zugrunde gehen kann. Die alten Römer haben sich mit Eroberungen im Orient übernommen. Ein ähnliches Schicksal könnte dem Fußball drohen. Es wäre, wie Sportreporter gerne sagen, nicht unverdient.

Auf der Suche nach vermarktungsfähigen Spieltagen hat die Bundesliga den Montag entdeckt. Auch zum Wochenstart sollen die Fans und ihre bedauernswerten Angehörigen keine Ruhe finden. Ein Montagsspiel würde die unerhörte Lücke zwischen Champions League oder DFB-Pokal (dienstags/mittwochs), Europa League (donnerstags) sowie Bundesliga, Bundesliga und Bundesliga (Wochenende) schließen und weitere TV-Gelder in die Kassen spülen. Der Aspekt, dass auch Vormittage langweilig sein können, wir nicht näher verfolgt. Noch nicht.

Wie aber ist es möglich, dass die Nachfrage nach Fußball von Marketing-Experten als unendlich eingeschätzt werden kann? Weshalb gibt es massenhafte Verehrung so genannter Helden, die ihren Reichtum in Briefkastenfirmen in Panama verschieben oder bei einer nächtlichen Tour im Taxi ganz nebenbei 75.000 Euro verlieren? Warum stören uns Millionen-Gagen von Dax-Vorständen, nicht aber jene von gut trainierten jungen Leuten in kurzen Hosen?

Wahrscheinlich ist Fußball auch deshalb so populär, weil er die optimale Sportart für Bier und Chips ist. Bei einem durchschnittlichen Spiel sind 70 von 90 Minuten weitgehend ereignislos. Der Ball wird mehr oder weniger gezielt über den Platz getreten. Ab und zu fällt ein Kicker mit schmerzverzerrtem Gesicht um, wird sahneartiger Schaum auf den Rasen gesprüht oder beschimpft ein aufgeregter Typ einen anderen Mann, den sie „Vierter Offizieller“ nennen. Höhepunkt sind selten, man kann sie auch ruhig verpassen. Es gibt ja Zeitlupe, Superzeitlupe, Interviews, Analyse sowie Analyse der Analyse. Dazwischen kommt Bierwerbung, um an den eigentlichen Zweck des Geschehens zu erinnern.

Damit können andere Sportarten nicht mithalten. Handball ist zu aufregend für ruhige Sofasitzer, Eishockey und Bastketball sind zu schnell. Rugby ist als Männersport zu ehrlich. Beim Dressurreiten muss man auf die Feinheiten achten. Eigentlich bietet nur Skispringen ein vergleichbare Mischung aus Monotonie und Jubelstürmen.

Also, wird es noch ein bisschen dauern, bis die Fußball-Euphorie ihr Ende findet. Die nun geplanten Ausdehnung könnte allerdings der Beginn der Überdehnung werden. Wobei diese, bei näherem Hinsehen auch einen Vorteil hat: Die Zahl der Teilnehmer an Montags-Demos wird sinken. Na denn, dann spielt mal schön.