Es gibt ein Pack. Es kann auch reich sein.

Wie sind wir doch müde. Da ist diese Geschichte mit den Briefkastenfirmen in Panama bekannt geworden. Und? Wir haben ein zweites Talk-Show-Thema neben der Flüchtlingsfrage. Aber Empörung? Konsequenzen gar? Die überlassen wir den Isländern. Wir sagen: Das alles ist nicht schön. Aber wir haben es doch sowieso gewusst.

Richtig ist, dass wir uns nicht wundern müssen. Die Frage ist jedoch, ob uns durchwegs bewusst ist, wie sehr die große Masse der ehrlichen Menschen verarscht wird. Diese Gesellschaft entwickelt sich immer stärker nach dem Prinzip „Wer hat, dem wird gegeben“. Wer etwa ein Unternehmen erbt, zahlt – wenn überhaupt – prozentual deutlich weniger Steuern als ein abhängig Beschäftiger. Der junge Herr Schaeffler zählt so zu den reichsten, milliardenschweren Deutschen. Was kaum das Ergebnis seiner Lebensleistung sein kann.

Die konkreten Verhältnisse begegnen einem auch anders. Ich habe zwei Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht miterlebt. In einem Fall wurde ein Personalchef geschasst. Er klagte gegen diese Maßnahme, war dann aber zu einer gütlichen Einigung bereit. Die Gerichtssitzung bestand hauptsächlich darin, dass dessen Anwältin den Streitwert und damit ihre Gebühren nach oben getrieben hat.

Der Vertreter der Firma saß feixend dabei, widersprach in keinem Punkt, bedauerte allerdings, dass er als Angestellter nicht auch so schön abrechnen könne. Der Entlassene wiederum bekam knapp 14.000 Euro Lohnfortzahlung. Und für den Fall, dass er vor Ende seines Arbeitsvertrages auf eine neue Stelle wechseln würde, wurde ihm eine monatliche Abfindung von 10.000 Euro zugesagt – nach zweieinhalb Jahren im Unternehmen.

Im anderen Verfahren ging es darum, dass einem Bewachungsunternehmen ein Großauftrag entzogen wurde, was zu Entlassungen führte. Hier ging es um Menschen, die ein Dutzend oder mehr Jahre für die Firma gearbeitet hatten. Die Anwälte beider Seiten saßen zähnefletschend nebeneinander und feilschten darum ob nun 250 oder doch 2000 Euro Abfindung zu zahlen wären. Es blieb dreistellig.

Wir lernen also: Wer die Gnade der richtigen Geburt hatte oder zur rechten Zeit am rechten Ort war, schert sich einen Dreck um die Gesellschaft, in der er lebt. Ist er Unternehmer, verlangt er brauchbares Humankapital. Das Geld für gute Schulen oder Universitäten sollen andere auftreiben.

Das heißt: Es gibt ein Pack in dieser Gesellschaft. Es ist größer als man denkt. Und es kann auch reich sein…