Das neue Wunder: Scheiße wird zu Gold

Scheiße in Gold verwandeln, ist keines der zahllosen Wunder Jesu. Es ist eine Erfindung unserer Konsumartikel-Hersteller. Unsere Wohnung und Keller sind voll mit Brotbackmaschinen und anderen tollen Geräten, deren Sinnlosigkeit in der Regel schon nach wenigen Wochen zweifelsfrei erwiesen war. Die Verwandlung geht aber auch ganz direkt: Bei Kaufland gibt es Rinderdung im Plastikeimer, fünf Kilogramm für 5,99 €.

Das Produkt sollte funktionieren. Trockene Kuhfladen stinken nicht. Außerdem handelt es sich um die angemessene Portion für eine durchschnittliche  Balkon-Flora. Ideal für Menschen, die ein paar Peperoni und Mini-Gurken züchten, in dem guten Gefühl, es mit ihrem Urban Gardening den Gaunern von Monsanto so richtig gezeigt zu haben. Wichtig auch, dass zu Pellets gepresste Kuhscheiße staubfrei ausgebracht werden kann.

Nun könnte man empört sein. Darüber, dass Milch bloß die Hälfte kostet. Landwirte geben sich schließlich große Mühe für dieses zweifellos höherwertige Produkt. Sie investieren sogar viel Geld, um die bei Menschen erfolgreichen Ausbeutungsmechanismen auf ihre Kühe anzuwenden. So wie wir gelernt haben, unsere Autos selbst zu betanken oder unseren Koffer am Flughafen selbst anzugeben, checkt das moderne Milchrind aus eigenem Antrieb an der Melkstation ein. Dort läuft die Rohstoffgewinnung automatisch, der Chef sitzt derweil am Computer, um Menge und Fettgehalt zu überprüfen. Mit reiner Dung-Erzeugung wäre sein Leben wahrscheinlich noch leichter.

Werden wir also Zeuge einer Perversion? Eher nicht. Schließlich darf man es im Kapitalismus keinem Händler vorwerfen, dass er Menschen ein Produkt anbietet, das diese zu brauchen glauben.

Alsdenn, viel Erfolg mit diesem Geschäft. Und wir sind sicher: Wenn in der nächsten Staffel von Bauer sucht Frau „Hansi, der clevere Scheiß-Bauer aus Mittelfranken“ antritt, werden die heiratswilligen Damen Schlange stehen. Denn er weiß, was im Leben wirklich zählt: Immer das, was hinten rauskommt.