Unser Geld im Schwarzen Loch

Der Krisen sind gar viele – aber eigentlich leben wir doch in güldenen Zeiten. Es war noch nie so interessant, Schulden zu machen. Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins auf Nullkommanull gesenkt. Niedriger geht nicht. Also, investieren wir!

Früher war das ganz anders. Die Älteren erinnern sich noch an den spannenden Moment, wenn der Bankbeamte am Weltspartag feierlich die Sparbüchse seiner jüngsten Kunden geöffnet hat. Auf diese Weise haben wir schon als Grundschüler gelernt, dass man Geld sammeln sollte, bevor man sich Wünsche erfüllt. In der DDR war das noch strikter geregelt. Dort gab es kein Girokonto mit Überziehungskredit. Wer kaufen wollte, musste gespart haben.

Heute stehen wir finanztechnisch an der Schwelle zum Schwarzen Loch. Die Banken bekommen Gratis-Geld, schlagen aber, wenn sie etwas verleihen, ein paar Prozentchen drauf. Der Kunde kriegt kein  Nichts. Dafür wirft Erspartes nichts mehr ab, es verliert eher an Wert.

Und das ist tragisch. Für uns Normalverbraucher, weil wir gedacht hatten, dass wir uns dereinst von unseren Zinsen auf Kreuzfahrten gehen könnten. Aber auch für Firmen, die gewohnt waren, Investitionen über das Tagesgeldkonto abzuwickeln oder mit Hilfe von Zinsen Betriebsrenten zu finanzieren.

Aber so ist das eben, wenn ein Vertreter der privaten Großfinanz zum obersten staatlichen Banker ernannt wird. EZB-Präsident Mario Draghi war ein Vizepräsident des famosen US-Geldhauses Goldman Sachs. Und dort galt und gilt die Devise: „Nur wer spekuliert, lebt richtig.“ Für alle anderen gibt es das Schwarze Loch. Das Spielgeld muss ja von irgendwo herkommen.