Wer hilft, wird geliebt

Groß ist die Sehnsucht nach dem Schönen und Wahren. Das hat das Vertrauensranking der Marktforscher vom GfK-Verein ergeben. Wir trauen nicht den großen Wirtschafts- oder Staatslenkern, sondern jenen, die trotz mäßiger Bezahlung anderen Menschen helfen. Angehörige solcher Berufe sind im Volk besonders beliebt.

Auf Platz eins rangieren die Feuerwehrleute. 96 Prozent der Befragten vertrauen ihnen ohne Wenn und Aber. Auf dem gleichen Niveau bewegt sich das Vertrauen in Sanitäter. Wir empfinden also Achtung vor Menschen, die bei Bränden und Unfällen aufräumen und möglichst viele Leben retten. Brauchen möchte man sie nie. Was auch für die Krankenschwestern und -pfleger gilt. 95 Prozent vertrauen ihnen. Sie alle wollen ja nur Gutes.

Wir wiederum können verzeihen. So schneiden die Piloten trotz des Absturzes der Germanwings-Familie mit 87 Prozent richtig gut ab. Die Ingenieure und Techniker haben sich im Vergleich zu früheren Vertrauensstudien sogar um zwei Plätze auf Rang acht verbessert und kommen auf eine Quote von 86 Prozent. Und das, obwohl diese Berufsgruppe bei VW einen Riesen-Beschiss inszeniert hat.

Was aber ist mit denen, die an 20-Stunden-Tagen für unseren Wohlstand kämpfen? Hier zeigt sich klar: Wir leben im Kapitalismus, aber eigentlich mögen wir ihn nicht. Unternehmern vertrauen nur 54 Prozent der Befragten, Händlern und Verkäufern 52 Prozent und Bankern nur 43 Prozent. Noch übler sieht es für jene Berufe aus, die uns im Dienste von Firmen zum Geldausgeben bringen wollen. Werbefachleuten vertrauen nur 27 Prozent, den Versicherungsvertretern gar nur 22 Prozent. Sie gaukeln uns eben immer etwas vor.

Und ganz unten? Auf dem letzten Platz der Tabelle liegen die Politiker/-innen. Das überrascht uns nicht, aber ein Vertrauenswert von 14 Prozent grenzt an Diskriminierung. Wenn man zusätzlich sieht, dass politischen Parteien nur 19 Prozent vertrauen, „dem Internet“ aber 31 Prozent, wird es geradezu absurd.

Helfen kann wahrscheinlich nur eines: Wir brauchen mehr Feuerwehrleute und Sanitäter in den Parlamenten. Rettungspakete als Mittel der Politik kennen wir ja.

1 Kommentar in “Wer hilft, wird geliebt

  1. Sie haben die journalisten vergessen. Die sind in der umfrage auch ganz unten gelandet. Auf dem niveau der werbefachleute

    Stimmt. Die Journalisten schneiden auch schlecht ab. 37 Prozent – immerhin zehn Prozent mehr als die Werbeleute.

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