Das Elektroauto wird uns nachgeworfen

Wie schön ist doch ein liebevolles Geschenk. Es kommt von Herzen, niemand schaut auf die Absicht dahinter. Doch es gibt auch Gaben, die uns nachgeworfen werden, ohne dass wir sie wirklich brauchen. Wir sprechen dann vom Mitnahmeeffekt. Den könnte es bald wieder geben – elektromobilistisch.

Mitnahmeeffekte können uns Freude machen. Etwa dann, wenn der Einzelhändler unserer Wahl aus Verzweiflung über den warmen Winter Mitte Februar die Preise für teure Ware kräftig senkt. Am 29. Februar jedoch schneit es unerwartet – und wir fühlen uns beim Kauf der Kuschel-Schnäppchen richtig wohl. Weniger nett war das früher bei Immobilien. Wer gebaut hat, konnte über die Eigenheimzulage prächtige Steuerrabatte einfahren. Bloß, die waren schon eingepreist. Wirklich profitiert haben Baufirmen oder Makler.

Gerade bei Autos lenkt der Staat gerne mit Zuschüssen. Denken wir an die Abwrackprämie. Irgendwann ersetzt man einen altersschwachen Wagen, aber wegen der schieren Gier auf 2500 Euros von oben wurden zum Teil Fahrzeuge zur Schrottpresse gefahren, die noch richtig gut erhalten waren. Tragisch. Oft hätte es nicht sein müssen, und dass von einer „Umweltprämie“ geredet wurde, war sowieso der Hohn. Schließlich muss ein Auto etliche Jahre fahren, damit die durch seine Herstellung ausgelöste Schadstoffbelastung abgefahren ist.

Zurzeit reden wir über Elektromobilität. Unsere Industrie reißt sich angeblich den Hintern auf, um das emissionslose Auto herauszubringen. Abermilliarden werden in diese Entwicklung investiert. Jedoch, das Volk ist sperrig. Es sieht einfach nicht ein, wofür ein Pkw gut sein soll, mit dem man nur mit zwei mehrstündigen Auflade-Stopps an die Adria fahren kann. Es begreift auch nicht, was an einem Akku so viel revolutionärer und deshalb preistreibender sein soll als bei einem so genannten Verbrennungsmotor.

Diese schwierige Frage müssen wir uns vielleicht bald nicht mehr stellen. Dann nämlich, wenn die Elektroautos weiterhin unnötig teuer bleiben können, weil der Steuerzahler via Kaufprämie seinen Anteil an den Entwicklungskosten übernimmt.

Wird dann alles gut? Protestieren könnten umweltbewegte Nicht-Autofahrer, die Gleichbehandlung fordern. Auf deren Agenda stehen die Gemüsekisten-Prämie für Neu-Veganer, der Latschen-Zuschuss für hässliche Gesundheits-Sandalen und die Anhänger-Zuwendung für kinderreiche Radfahrer.

Das sollte den Zorn befrieden. Ein überzeugendes und bezahlbares E-Auto wäre aber noch besser…