Der Tod aus dem Zapfhahn

Nicht sauber, sondern rein. Als Werbespruch für das Waschmittel Ariel propagierte dieser Satz vor knapp fünf Jahrzehnten die säubernde Wirkung von Chemie als große Verheißung. Inzwischen wissen wir, dass nichts reiner ist als unbehandelte Natur. Oder eben jenes Produkt, bei dem Unreinheit quasi per Gesetz verboten ist: Unser Bier.

Und ausgerechnet in diesem Getränk, für das es seit 500 Jahren ein bayerisches  Reinheitsgebot gibt, ist jetzt das Pestizid Gylphosat gefunden worden. Die 14 meistverkauften Sorten wurden getestet, der Giftanteil lag um bis zum 300-fachen über dem für Trinkwasser geltenden Grenzwerten. Kommt der Tod aus dem Zapfhahn?

Notorische Optimisten werden nun sagen, dass ja nur diese sowieso verdächtigen industriellen Massenbiere getestet wurden. Die seien viel gedankenloser produziert als unsere, liebevoll bei Vollmond von Hand angerührten Landbiere. Letztere seien bestimmt nicht nur sauber, sondern mindestens rein.

Glauben mag man das. Aber stimmen dürfte es nicht. Denn Glyphosat ist praktisch überall. 600.000 Tonnen werden pro Jahr auf die Felder gesprüht, am eifrigsten in unserem tollen TTIP-Partnerland , den USA. Bei einer Studie mit Teilnehmern aus 18 europäischen Ländern wurde der Unkrautvernichter in jeder zweiten Urinprobe nachgewiesen. Patente des Monsanto-Konzerns werden von den eigentlich Regierenden eben nicht so leicht angezweifelt.

Gibt es Trost in dieser vergifteten Welt? Sicher. Ein großer Zeitgenosse des Reinheitsgebotes, der Arzt und Apotheker Parcelsus, sagte es so: „Alles ist Gift. Ausschlaggebend ist nur die Menge.“ Womit sich Naturschützer und Suchtbeauftragte in größter Einigkeit die Hände reichen. Wir dürfen hoffen, dass uns unsere tägliche Dosis Pestizid gut bekommt. Politiker, die das Zeug verbieten, wären uns allerdings lieber.