Petry Heil vor Lesbos

Empörung über AfD-Größen teile ich in den allermeisten Fällen. Nun hat Parteichefin Frauke Petry erklärt, dass man zum Schutz der Grenzen in letzter Konsequenz auf Flüchtlinge schießen müsse. Der Aufschrei ist groß und kommt von allen Seiten. In diesem Fall ist die Heuchelei allerdings groß.

Ganz leise sein sollte jene, die nach  Turbo-Abschiebungen, Obergrenzen für Asyl und gesicherte Außengrenzen rufen oder darüber schwadronieren , dass Griechenland „seine Hausaufgaben“ machen müsse. Würden ihre Vorschläge zu realem Handeln, würde brutale Gewalt gegen Menschen zwangsläufig. Denn wie anders wollte man Zuwanderung eindämmen, wenn Flüchtlinge zahlreicher kommen als vom Parlament beschlossen? Es müsste Gegenmaßnahmen geben.

Wie zum Beispiel bei Melilla. Drei, bis zu sieben Meter hohe Zäune schotten diese spanische EU-Exklave in Nordafrika gegen den Nachbarn Marokko ab. Zwischen den Zäunen gibt es Stolperfallen, das Drahtgeflecht ist so dicht, dass sich ein Mensch beim Hochklettern kaum festhalten kann. Es wird berichtet, dass gescheiterte Flüchtlinge verprügelt und schließlich von der Polizei in irgendeiner menschenleeren Gegend ausgesetzt werden. Wollen wir Vergleichbares auch auf Lesbos und an anderen bisher schönen Stränden des Mittelmeeres?

Zyniker würden einer Frauke Petry in diesem Fall höchste Kompetenz zuschreiben. Sie ist selbst hinter dem Zaun aufgewachsen. Die Grenzanlagen der DDR waren Meisterwerke deutscher Bürokraten-Gründlichkeit. Es war kaum möglich, gesund von Ost nach West zu kommen. Wer sich erwischen ließ, bezahlte gegebenenfalls mit dem Leben. Man hat sogar Maschinen erfunden, um Menschen zu erschießen. Auch dieser unerträgliche Zustand hat zu einer friedlichen Revolution und zur Wiedervereinigung beigetragen.

Im Westen hat man sich stets über den Schießbefehl empört. Man hat ihn als für Demokraten undenkbaren Staatsterrorismus bezeichnet. Droht nun die erneute Einführung der Todesstrafe? Oder wollen wir es allen Ernstes so sehen, dass sich der Staat angesichts von Zuwanderung in einer Notwehrsituation befindet, die alles erlaubt, was eigentlich undenkbar ist?

Gar das, was die stellvertretende AfD-Vorsitzende Beatrix von Storch ergänzend zu den Aussagen ihrer Chefin zu Protokoll gegeben hat? Polizisten müssten auch auf Kinder schießen, wenn diese nach Deutschland eindringen wollten. „Wer das HALT an unserer Grenze nicht akzeptiert, der ist ein Angreifer. Und gegen Angriffe müssen wir uns verteidigen“, lautet ihre Logik.

Eine derzeitige Zehn-Prozent-Partei in diesem Land hat also Anführer/-innen, die keinen Skrupel hätten, Polizisten zu Mördern in Uniform zu machen. Menschenverächter sehen sich im Krieg – und sie sind auf dem Vormarsch. Es wird Zeit, aufzuwachen und umzukehren. Gerade für die, die sich ganz bieder „besorgte Bürger“ nennen.

 

 

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