Kauflust – mit ziemlich mieser Laune

Niemand sollte die Deutungsmacht der Marktforschungsinstitute gering- oder unterschätzen. Denn sie horchen uns aus, bewerten die gesammelten Daten und sagen uns daraufhin wie wir sind. Oder wie wir zu sein behaupten. Manchmal interpretieren die professionellen Verhaltensforscher aber falsch.

So hat die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung wie jedes Monat die Kaufneigung der Deutschen erforscht. Trotz Börsenturbulenzen, Terrorgefahr und des politischen Streits über die Asylpolitik sei die Kaufneigung ungebrochen. Eine gute Nachricht sei das, meint man bei der GfK. Nicht einmal die Flüchtlinge spielten beim Shoppen eine Rolle. Der Zuzug werde erst zur Belastung, wenn Verbraucher um ihren Job fürchteten. Ansonsten herrsche Kauflust.

Was für ein abseitiges Gerede. Die guten Umsätze im Handel ergeben sich kaum deshalb, weil der Anteil der wohlhabenden Menschen durch eine famose Wirtschaftspolitik gestiegen ist. Sondern eher dadurch, dass es in einer alternden Gesellschaft zusehends unwichtig wird, ob man Geld hat. Die Finanzkarriere des sorgsam alternden Menschen sah in der langen Ära vor der digitalen Finanzwirtschaft so aus, dass man bis zur Rente möglichst viel Geld gespart hat. Das hat man anschließend nicht verjubelt, sondern hat sich zu von den Zinsen zu Weihnachten etwas Nettes angeschafft. Geschrumpft ist das Vermögen nur sehr langsam.

Heute läuft das anders. Wegen der Politik der Europäischen Zentralbank gibt es keine Zinsen mehr. Wer ein gutes Polster hat, erlebt, wie es immer weiter schrumpft. Und sollte jemand teure Pflege brauchen, lautet die Formel: Hilfe bekommt nur, wer zuvor arm geworden ist.

Also raus in die Fußgängerzone, ran an den Computer – und weg mit dem Ballast. Seien wir verschwenderisch, befreien wir uns von der Last des Geldes. Die Konsumforscher sind dankbar. Sie jubilieren mit heißem Herzen. Unsere Laune ist schlecht, vielleicht fluchen wir sogar. Doch die Kassen klingeln lauter.