Nein, Christpollen wollen wir nicht

Nein,  so haben wir nicht gewettet. Klimawandel, das war für auch uns eine Verheißung auf wunderbare Sommer. Auf immerwährende Bräune, Samba im Biergarten, wohltemperierte Badeseen. Aber was erleben wir? Eklige Wärme zur völlig falschen Zeit. So bitte nicht.

Wir leiden massiv. Schließlich war noch vor gut zwei Monaten von einem superharten Winter die Rede. „Wetterprophet“ Sepp Haslinger, der in seiner Heimat Bad Tölz wie der Hundertjährige der bayerischen Alpen verehrt wird, hatte diese Parole in die Welt gesetzt. Abgeleitet hatte er sie vom Blütenstand des Laubfroschs der Pflanzenwelt, der so genannten Königskerze. Seine Ankündigung, wonach es schon im November heftig schneien würde, befeuerte unsere nach neuesten Umfragen wieder stark gewachsene „German Angst“. Wir kauften einen Extra-Kanister Frostschutz, lagerten zuätzlich Kartoffel und Rüben ein – und warteten auf Schnee.

Seitdem schwitzen wir. Weil wir in jahreszeitlich korrekten Daunenjacken ins Büro hetzen, dort unsere Fellstiefel auf die Fußbodenheizung stellen, dicke Pullover über Hemd oder T-Shirt tragen und feststellen müssen, dass es nicht einmal bei offenen Fenstern angenehm kühl wird. Derweil balzen draußen die Tauben, in der Dämmerung stöhnen vom Winterschlaf erwachte Igel beim Sex. Die Weihnachtsmarkt-Händler überlegen, eisgekühlte Cola und Tequila ins Sortiment zu nehmen.

Statt Christstollen mit Marzipan gibt es Christpollen. Wir schniefen, glauben, es sei ein grippaler Effekt, doch es ist nur schnöder Heuschnupfen.

So brauchen wir den Winter auf gar keinen Fall. Herr Haslinger sollte sich schämen. Wobei: Er hat auch angekündigt, dass es wahrscheinlich keine weißen Weihnachten geben wird. Stimmt wohl so. Die Königskerze prophezeie aber Schnee und Eis bis Ostern. Fazit: Das neue Wetter passt anscheinend nie. Blöder Klimawandel.