Angela Merkel: Sie schafft uns alle

Man kann sagen, was man will. Aber sie hat uns wieder überrascht. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist vom renommierten Time-Magazin zur „Person of the year“ ernannt worden. Und das gerade jetzt, wo ihre Umfragewerte immer mehr nach unten gehen.

Diese US-Journalisten scheuen die Extreme wahrhaftig nicht. Sie haben Angela Merkel als vierte deutsche Politikerin nach Willy Brandt, Konrad Adenauer und, nun ja, Adolf Hitler auf ihr Jahresrückblicks-Titelblatt gehoben. Weil sie finden, dass es unsere Kanzlerin versteht, ohne funkelndes Bling-Bling oder sonstiges Brimborium die Welt zu bewegen. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten erstaunt das.

Und das kann sie. Das wird spätestens dann deutlich, wenn man daran zurückdenkt, welche zuvor hoch eingeschätzten männlichen Leichen ihren Weg pflastern. Jeder, der sie wie ein gewisser Friedrich Merz in Frage stellte und irgendwie ernst zu nehmen war, ist der Vergessenheit anheim gefallen. Einen Horst Seehofer lässt sie (noch) gewähren. Dieser mault viel und ist obendrein unhöflich – letztlich ist der Ober-Bayer aber harmlos. Beispiel: Seitdem die Horst-Show auf dem CSU-Parteitag gelaufen ist, ist das Wort „Transitzone“ wieder aus dem Sprachgebrauch verschwunden.

„Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter“, hatte ihr Vor-Vorgänger Helmut Kohl in einer Stunde empfundener Macht getönt. Bei ihr ist es so. Aber man merkt es eben nicht.

Und das macht die Faszination aus, welche ausreicht, durchgeknallte Zeitgenossen wie IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi und den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump auf die Plätze zu verweisen. Da wiederum möchte man ihr zurufen: „Angela, zeig‘ Deine Macht“. Mach‘ den Bagdadi zum Guttenberg, den Trump zum Schröder.“

Dann, da sind wir sicher, winkt Dir die ultimative Krone des weltweiten Journalismus. Die Titelseite des Jahresrückblicks im Bayernkurier. Mehr Rache an Seehofer ginge wirklich nicht. Alsdenn.