Schuhsohlen-Abrieb tötet nicht

Ein gutes Beispiel dafür, wie einstmals heiße Themen verblassen können, ist gerade im Schatten der medialen Betrachtung zu erleben: Die Europäische Woche der Abfallvermeidung. Eine Herausforderung scheint das bei uns nicht mehr zu sein. Das war schon mal ganz anders.

Spätestens ab Mitte der 80-er Jahre war uns klar geworden, dass wir drauf und dran waren, diesen Planeten zu vergiften. Waldsterben, Tschernobyl, Lebensmittelskandale hatten uns aufgescheucht. Wir waren beunruhigt von dem Gedanken, dass unser auf undichte Deponien geschmissener Müll das Trinkwasser noch in tausend Jahren verseuchen würde. Andererseits grauste es uns vor dem Dioxin aus den Schlöten der Verbrennungsanlagen.

Also machten wir uns auf. Wir legten die Kriminalromane zur Seite und verschlangen stattdessen die Abfallfibeln mit den klugen Grußworten unserer Bürgermeister. Wir ordneten unsere Hinterhöfe neu und bauten unsere Küchen für zusätzliche Mülleimer um. Die Idee, durch das zutreffende Wegwerfen von Batterien oder Fischgräten einen Beitrag zum Retten der Welt leisten zu können, beflügelte uns ungemein. Unsere Bekannten im Ausland tippten sich an die Stirn – oder schauten fasziniert auf die mit typisch deutscher Gründlichkeit erledigte Aufgabe.

Das ist lange her. Und heute? Alles gut? Natürlich nicht.

Wir haben uns nämlich umgestellt. Was Papier, Kartons und Autoabgase angeht, hauen wir richtig auf den Putz. Selbst alltäglichste Produkte, die es für ein paar Euros beim Discounter gäbe, ordern wir über Online-Versender. Wenn wir geklickt haben, wird unser Daten-Highway zur realen Autobahn. Zig-tausende Transporter gondeln kreuz und quer durchs Land. Und weil die Rücksendung gratis ist, fahren sie vieles wieder zurück. Denn nicht immer schreien wir vor Glück.

Es ginge ganz anders. Wir müssten runter vom Sofa, durch die Stadt bummeln, in Läden gehen – und tatsächlich etwas kaufen. Das ist anstrengender, weil man dort unsere Algorithmen nicht kennt und  nicht so sicher „Das könnte Ihnen auch gefallen“ sagen kann. Aber: Müll würde vermieden, der Umwelt täte es gut. Schuhsohlen-Aabrieb tötet nicht.