Mitmischen, wenn jeder gegen jeden kämpft?

Auf in den Krieg! Die Bundeswehr soll also einige Tornados nach Syrien schicken. Letztlich sollen nach neuesten Informationen bis zu 1200 Soldaten an diesem Einsatz beteiligt sein. Zunächst sollen Aufklärungs-Jets eingesetzt werden, um Stellungen des Feindes auszuspähen. Bloß: Wer ist das eigentlich?

Selbstverständlich der Islamische Staat! So lautet die spontane Antwort. Und selbstverständlich muss diesen Killern, die irrsinnig, wie sie sind, mindestens ganz Europa samt Grönland und den Falkland-Inseln missionieren wollen, das grausame Handwerk gelegt werden.

Nun ist der IS allerdings ein Gegner des syrischen Diktators Assad. Diesen möchte die Westeuropäer zugunsten der demokratisch orientierten Rebellen abgesetzt wissen. Auch die Türkei möchte ihn beseitigen.

Assad ist aber wiederum Günstling von Russland und Iran. Wobei die Russen zwar wegen der Ukraine unten durch sind, jedoch von unserer Seite wieder für gut befunden werden, weil sie zwar die demokratischen Rebellen attackieren, aber andererseits Stellungen des IS wirksamer bombardieren, als das die US-Amerikaner tun. Diese möchten Assad beseitigen und den IS vernichten, haben eigentlich genug vom Krieg, hängen aber schon wegen des Öls in der Sache drin. Die Türken wiederum bekämpfen Assad, bekämpfen aber auch die Kurden, welche Assad bekämpfen.

Zu unseren befreundeten Staaten gehört wiederum Saudi-Arabien. Diese Diktatur ist ein stinkreicher und zuverlässiger Abnehmer der Produkte unserer Rüstungsindustrie. Saudi-Arabien unterstützt allerdings auch den IS, und hat – das nur am Rande – im zurückliegenden Jahr mehr Menschen gesteinigt oder enthauptet als die allseits gefürchtete Terrororganisation.

Die Kalifen-Jünger wiederum liefern sich erbitterte Gefechte mit den Kurden und mit den Truppen Assads. Zugleich verkaufen sie den Kurden und Assad in großen Mengen Öl, wodurch sie die Einnahmen erzielen, mit denen sie ihren Kampf beziehungsweise die gewaltsame Unterwerfung weiterer Menschen finanzieren…

Und nun folgt eine reine Vernuftfrage: Wenn jeder gegen jeden kämpft, sollte man sich dann ins Gefecht werfen und mitmachen? Tatsächlich – und für mich schwer zu glauben: Unsere Antwort lautet Ja.