Spielt’s Fußball, Ihr Lichtgestalten

Die Lichtgestalt als Fürst der Dunkelheit? In diesen schwierigen Zeiten werden Gewissheiten reihenweise in Frage gestellt. Gerade geht es um Franz Beckenbauer. Dieser gute Mensch, einer unserer Besten neben Karl dem Großen und Goethe, soll ein korrupter Gauner sein. Was nun?

Trösten wir uns. Das so genannte Sommermärchen kann uns keiner nehmen.  Dass uns die WM 2006 als großartig in Erinnerung ist, lag nicht am segensreichen Wirken der Funktionäre. Sondern daran, dass die Menschen ein paar Wochen lang derart undeutsch waren, dass der Rest der Welt gestaunt hat.  Außerdem war das Wetter gigantisch.

Dass Korruption im Spiel war, hätte man sich denken können. Denn warum sollte sich eine Fifa nur von allen anderen Nationen schmieren lassen? Zumal uns solches Verhalten nicht völlig fremd ist. In der Korruptions-Rangliste von transparency international wird Deutschland auf Rang 12 gelistet. Das ist 14 Plätze besser als das überraschend günstig eingestufte Katar, aber 57 Plätze besser als Brasilien und stolze 124 Plätze besser als der nächste WM-Ausrichter Russland. Andererseits: Die Steuerabzugsfähigkeit von Schmiergeldern wurde bei uns erst vor ein paar Jahren abgeschafft.

Aber zurück zu Franz Beckenbauer. Wie die Lichtgestalt wirklich denkt, hat sie nicht nur beim Leugnen von Sklaven in Katar bewiesen. Entlarvend waren auch Aussagen anlässlich der Anklage gegen Uli Hoeneß. Ach, der Uli, der sei so ein unermüdlicher Macher, der leiste so unglaublich viel. Der habe eben mal etwas übersehen. Anders gesagt: Steuerhinterziehung? Das ist eine Lappalie, etwas ganz Privates.

Was aber muss nun passieren? Werden sämtliche führenden Funktionäre ausgetauscht? Muss die Fußball-WM 2006 mit denselben Mannschaften  2017 auf neutralem Boden wiederholt werden? Auf Kosten des DFB? Mit Jürgen Klinsmann als Bundestrainer?

Seien wir Realisten. Wer an Profifußball ohne schwarze Kassen und halbseidene Deals glaubt, hält auch Radsport ohne Doping und eine Frau als Päpstin für möglich.

Für Veränderungen bräuchte es massenhafte Fußball-Verweigerung. Das wird es kaum geben. Also reduzieren wir den Skandal – trotz alledem – auf eines der berühmtesten Beckenbauer-Zitate: „Geht’s raus, spielt’s Fußball!“. Den meisten Leuten reicht das.