Die aufrechten Anständigen sind wichtiger denn je

Man bekommt das Gruseln. Wahrscheinlich noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg treten Neonazis so offen und dreist in Erscheinung. Und noch nie haben sie so viele brave Mitläufer gefunden. Es hat sich etwas Übles zusammengebraut in diesem Land.

Es wird wirklich Zeit für den „Aufstand der Anständigen“. Dieser war, nach fremdenfeindlichen Verbrechen der Vergangenheit, ein wiederkehrender Aufruf. Man dachte, das Problem sei ein Vorübergehendes und könnte beseitigt werden. Leider falsch.

Eher scheint es so, als würde die oftmals besoffene Gewalt von Rechts zum alltäglichen Geschehen. Staunen muss man darüber nicht. Wer keine Perspektive hat, wird anfällig für Hass und die wachsende Ungerechtigkeit Land ist nicht zu übersehen. Die Hartz-Gesetze mögen der Konjunktur gut getan haben, aber sie führen dazu, dass eine große Zahl von Menschen vom Wohlstand abgekoppelt wird.

Nach Angaben der Gewerkschaften gibt es alleine im Großraum Nürnberg 60.000 Beschäftigte, die vom Mindestlohn profitieren. Befristete, prekäre Jobs sind nicht mehr die Ausnahme. Und wer in Hartz IV gefallen ist, muss als „Kunde“ der Arbeitsagenturen auch gleich ein paar Grundrechte abgeben. Freie Wahl des Arbeitsplatzes? Unverletzlichkeit der Wohnung? Recht auf Eigentum? Freie Entfaltung der Persönlichkeit? Ist weg oder eingeschränkt – wie bei einem Häftling. Wer Hartz IV braucht, lebt in einem Gefängnis.

Nun gibt es ausreichend reiche Deppen. Wer arm ist, gröhlt auch nicht automatisch mit dem rechten Mob.

Trotzdem: Starke Worte aus jeweils aktuellem Anlass bekehren keine Rassisten und jene, die sich mit ihnen solidarisieren. Die  Aufgabe, eine offene und gerechte Gesellschaft zu gestalten, endet nicht im Umfeld der Flüchtlingsheime. Sie ist viel, viel größer. Ohne aufrechte Anständige, die die Politik auf Trab halten, wird es nicht gelingen.