Der GrAusgang ist furchtbar. Ich mag die Griechen

Es ist ein Kreuz, mit diesem Grausgang, wie der Grexit auf Deutsch heißen müsste. Die großen Lenker der Euro-Währungsunion arbeiten offenbar darauf hin, die Griechen aus ihrem Club auszuschließen. Sie waren nicht brav, also müssen sie weg. Dann werden sie schon sehen, wie es ist, wenn die Rente in Drachmen ausgezahlt wird.

Ich finde das alles ganz schrecklich. Denn diese Misere zeigt, wie schöne Dinge wegen der durch die Ökonomie vorgegebenen Gleichmacherei kaputt gemacht werden. Als wir in den späten 70-er Jahren Griechenland entdeckt haben, hat uns doch gerade fasziniert, dass die Menschen auf den vielen Inseln so anders waren. War es in Italien üblich, dass Sonnenschirme gemietet werden mussten und dass zum Abendessen ein Gedeck mit einem Körbchen Brot zu bezahlen war, begegneten uns die Hellenen mit einer geradezu rührenden Gastfreundschaft. Keiner von uns hat sich dabei schlecht gefühlt. Obwohl wir aufgrund unserer Geschichte dazu allen Grund gehabt hätten.

Begeistert hat uns auch, dass diese Griechen Mut zur Langsamkeit hatten und sowieso anders und individueller waren als wir. Aber so war das wohl immer. Man muss nur daran denken, dass die Mythologie voller seltsamer Typen ist, gegen die unser legendäres weißes Einhorn wie ein niedlicher Stallhase wirkt.

Und dann diese Philosophen: Lagen besoffen in Tonnen herum, haben sich mit Knaben vergnügt und haben trotzdem in großen Reden die Welt erklärt. Wobei manche Aussagen gegen „die Institution“ gerichtet gewesen wären. So sagte Aristoteles den reizvollen Satz: „Arbeit und Tugend schließen sich aus.“ Demokrit ergänzte: „Das Glück wohnt nicht im Besitze und nicht im Golde, das Glücksgefühl ist in der Seele zu Hause.“ Aristoteles wiederum wusste:“ Denn überall nach dem Nutzen fragen, ziemt sich am wenigsten für hochsinnige und freie Männer.“ „Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf“, ergänzte Sokrates.

Diogenes hätte wohl geraunzt: „Geh‘ mir aus der Sonne, Merkel!“. Er hat in Herrn V. einen Nachfolger gefunden, während wir feststellen, dass uns zwar reichlich antike Weisheit gelehrt wurde, dass man unserer effektiven Arbeitsweise zuliebe wichtige Geistesblitze weggelassen. Also sage und verspreche ich feierlich: Liebe Griechen, ich mag Euch. Auch mit Drachmen. Und manchmal wäre ich gerne wie Ihr.