Beten zum Fußballgott? Sinnlos, denn sein Name ist Sepp

Keiner mag ihn, jeder hasst ihn, alle dreschen auf ihn ein. Und trotzdem: Sepp Blatter bleibt Präsident des Weltfußball-Verbandes Fifa. Wie schafft er das bloß?

Zunächst einmal: Dieser Schweizer hat noch mehr Stehvermögen als seine teure Landeswährung. Er hat schon so viele Skandale an sich abperlen lassen, dass er sich jetzt, mit 79 Jahren, erst recht gelassen in jede Schlacht stürzt. Wobei das bei ihm schon lange so war. In diesem Blog wurde seine Karriere am 3. Dezember 2010 ausführlich beleuchtet. Und die zwangsläufige Überschrift lautete: Unser Präsident für die Ewigkeit .

Aber all die Skandale? Muss man nicht ernst nehmen. Bedeutende Fußball-Funktionäre sind als kleine Kicker in ihren Vereinen sozialisiert worden. Und dort geht es nicht immer sauber zu. Wer an seine Anfänge zurückdenkt, wird sich nostalgisch lächelnd an wilde Gefechte auf überschwemmten Hartplätzen erinnern. Ein Sumpf ist für echte Fifa-Männer also mehr Verheißung als Grauen.

Zudem pflegt einer wie Sepp Blatter „die Liebe zum Spiel“ in dem festen Bewusstsein, dass er die Welt beglückt. Deshalb sieht er keinerlei Grund, sich vor irgend jemand zu rechtfertigen. Auch nicht vor dem Fußball-Gott. Denn er ist es selbst. Selbst Stoßgebete für die Fifa landen direkt beim Sepp.

Wie also geht es weiter? Der Fifa-Präsident wird weiter regieren, um sich am Ende seiner Amtszeit als alternativlos zu präsentieren. Auch 2019 werden die Zeiten schwer sein, auch dann wird der Lotse an Bord bleiben müssen. Gegenkandidaten werden schnell resignieren, was bedeutet: Ein Sepp Blatter bekommt immer eine Verlängerung. Ein Elfmeterschießen, also eine Kampfabstimmung, braucht er nicht.

Ändern könnten das nur die Fußball-Verbraucher weltweit. Indem sie das Produkt so stark boykottieren, dass geldgebende Konzerne die Lust verlieren. Machen wir den Test: Schauen wir uns eine ehrliche Amateur-Schlammschlacht auf einem Hartplatz an und fragen wir uns, ob ein solcher Kick Deutschland gegen Brasilien ersetzen kann. Tja, wahrscheinlich hat er uns im Griff. Der ewige Sepp.