Abhören unter Freunden? Das geht sehr gut

Vor knapp zwei Jahren ging es uns besser. Wir hatten ein klares Feindbild. Der vormals nette US-Präsident, Träger des Friedensnobelpreises, war des rotzigen Großmacht-Gehabes überführt worden. Barack Obama war der böse Mann mit den großen Ohren, der uns bis in unsere privatesten Sphären nachgehorcht hat. Wir waren die Opfer und ließen dem Ami von unserer Chefin tadelnd ausrichten: „Abhören unter Freunden? Das geht gar nicht.“

Nun aber stellen wir fest: Das geht nicht nur, wir hängen voll mit drin. Auch unser Staat will wissen, was bei unseren Freunden los ist. Wahrscheinlich gemäß der Geheimdienst-Devise, dass drei fähige Spione eine ganze Armee ersetzen. Weil es Kriege verhindert, wenn man weiß, worüber man mit  potentiellen Feinden reden muss. Also wird gespitzelt. Nicht nur im Ausland, sondern auch bei uns, den Bürgern, die ja die geborenen Freunde ihres  Landes sind. Deutschland war im 20. Jahrhundert ein Kompetenzzentrum für die Themen Horch und Guck. Das jedoch haben wir ziemlich aufgegeben, seitdem die Stasi als üble Unterdrückungsbehörde entlarvt worden ist.

Somit sucht eine leistungsschwache Behörde wie der Bundesnachrichendienst den Schulterschluss mit dem großen Verbündeten. Dessen Abhörzentrale in der Wüste von Utah verfügt über Computer mit einer Speicherkapazität von mindestens einem Yottabyte. Das sind rund 500 Trillionen oder 500.000.000.000.000.000.000 Textseiten. An weiteren Standorten dienen rund 10.000 Mitarbeiter der NSA als Zulieferer von Informationen. Bei diesen technischen Möglichkeiten werden unsere fünf Millionen Selektoren, also Suchbegriffe, vermutlich lässig miterledigt. Diese Selektoren wiederum beziehen sich auf 1,3 Millionen Personen oder Institutionen in Deutschland.

Aber warum gibt es keinen Aufschrei, sondern nur ein allgemeines Grummeln? Dies ist das Verdienst von Angela Merkel und ihrer Regierung. Wenn etwas passiert ist, redet man nur so lange vom Durchgreifen und überhaupt von schärferen Kontrollen, bis das Thema wieder aus den Medien verschwunden ist. Dann wird in aller Ruhe weitergemacht, denn eigentlich ist den Regierenden das Abhören egal. Die USA sind allemal wichtiger als die eigenen Bürger.

Die Konsequenz: Abhören unter Freunden? Das geht sehr gut. Alle anderen Sprüche sind Valium für’s Volk. Dieses lässt sich Muttis Medizin bisher gerne gefallen. Aber wehe, wenn es aufwacht!