Auch am Herd lauert die Depression

Die Widersprüchlichkeit ist fester Bestandteil der menschlichen Existenz. Sie zeigt sich in vielfältigen Schatteriungen und Erscheinungsformen. Sogar am heimischen Herd. Man sieht uns dort seltener als man denken sollte. Wir sind annähernd Anti-Weltmeister.

Gibt es nichts Wichtigeres als das Kochen? Sicher, in diesen Tagen könnte man sich auch anders über unser Thema auslassen. Zum Beispiel mit Blick auf diejenigen Menschen, die stolz von ihrem Burn-Out als Beleg ihrer besonderen Leistungsbereitschaft erzählen. Die aber zugleich sicher sind, dass Depression unheilbar ist, weshalb ein solches Leiden zur Verbannung aus dem Berufsleben führen müsste.

Aber lassen wir das. Das Nürnberger Meinungsforschungsinstitut GfK will herausgefunden haben, dass durchschnittliche Deutsche nur knapp fünfeinhalb Stunden am Herd stehen. Pro Woche! Dabei seien notorische Nichtkocher schon herausgerechnet.

Das wundert uns. Denn im Fernsehen laufen jede Menge Kochshows. Nicht, dass es diese anderswo nicht auch gäbe. Im arabischen Raum etwa genießt der TV-Koch von Dubai einen vorzüglichen Ruf. Doch wenn man sich denkt, auf wie vielen Kanälen es bei uns gart, brutzelt oder zischt, müsste mehr passieren. Schließlich darf das Verbreiten von Wissen als Sinn kulinarischer Telekollege gelten. Und es werden Monat für Monat so viele Rezepte verbreitet, dass es jeweils für ein halbes Menschenleben reichen würde.

Mit Hingabe gekocht wird anderswo. Ukrainer und Inder arbeiten laut Studie 13 Stunden pro Woche am Essen gearbeitet. Die größte Leidenschaft für’s Kochen äußern Italiener und Südafrikaner. 43 und 42 Prozent der in diesen Ländern haben daven geredet, bei uns waren es nur 26 Prozent. Am ödesten sieht es in Sachen frische Kost in Südkorea aus. In ostasiatischen Tigerstaaten ist das Leben eben komplett dem Bruttosozialprodukt gewidmet.

Was aber sagen uns unsere mäßigen Zahlen? Vielleicht hätte bei der Auswertung über die Kochdauer die Statistik über die Verbreitung von Induktions-Kochfeldern berücksichtigt werden sollen. Unsere Autos sind die Schnellsten, die Küchentechnik ist bestimmt besser als in Indien.

Wahrscheinlicher ist aber, dass wir Kochshows zuschauen, aber eigentlich nicht wissen, wovon die Leute reden. Wir haben eben keine Ahnung von der Sache. Was es, wenn man es genau betrachtet, bei ernsteren Themen auch geben soll…