Die Zukunft? Her mit den Körperdaten!

Wie sieht die Welt der Zukunft aus? Diese Frage beschäftigt uns immer wieder mal. Was mich angeht, gebe ich zu: Ich wandle auf einem schmalen Grat zwischen Faszination und Grusel. Nicht alles ist eine Verheißung.

Gehen wir davon aus, dass es für die Computer, besonders aber für die Smartphones dieser Welt im raschen Takt neue Software und Apps geben wird. Unterhaltung wird dominieren. Sofern es um harmlosen Quatsch geht, wird keiner Einwände haben.

Autos werden lernen, selbst zu fahren. Wir können getrost unsere Mails checken oder famosen 3-D-Raumklang aus unserer Musikanlage genießen, während wir auf der Autobahn unterwegs sind. Doch hier kommen uns die ersten Zweifel. Bestimmt kann diese überragende Technik zunächst nurvon Oberklasse-Käufern bezahlt werden. Sie funktioniert aber nur, wenn sich das Fahrzeug an die Verkehrsregeln hält, die ihm per Satellit gemeldet werden.

Wie aber fühlt sich der Besitzer eines 400-PS-Audis, wenn er mit Tempo 6o durch die Baustelle rollt und von ungeduldigen  Lkw-Fahrern die Lichthupe bekommt? Wo bleibt die Freude am Fahren, wenn man selber bloß auf Instrumente glotzt? Intelligente Karre, dösender Fahrer – wollen wir das wirklich?

Weltweit Furore wird allerdings das ein Kleidungsstück machen, an dem zurzeit bei uns in Franken das Fraunhofer-Institut forscht. Es handelt sich um eine Art Vorratsdaten-Hemd. Während wir es tragen, überprüft es laufend unsere Körperfunktionen. Wir erfahren, was uns den Puls hochtreibt, was uns glücklich macht, welche Handicaps wir haben, welche uns drohen.

Jede Wette, dieses Shirt wird ein Renner. Man hat sich immer Kontrolle. Man weiß, wann man zu viel und das Falsche gegessen und deswegen gefurzt hat. Durch die Vernetzung mit anderen Probanden wird auch das moderne Bedürfnis nach dem Vergleichen, dem so genannten Benchmarking, befriedigt. Wir wollen erfahren, dass wir besser sind. Und wir werden besser sein.

Goldene Zukunft, demnach? Vielleicht. Bis man älter ist. Denn was als Sportzubehör startet, wird irgendwann von der Gesundheits- und Versicherungsbranche entdeckt werden. Die von Niedrigstzinsen geplagten Konzerne werden das Späh-Hemd nutzen, um den Trägen, Fetten und Dauerkranken die Beiträge nach oben zu korrigieren. Beste Tarife verdient nur, wer sich nachweisbar um seine Gesundheit kümmert. Und wer sich weigert, seine Vitaldaten zu senden, zahlt erst recht.

Sie halten das für unwahrscheinlich? Alsdenn: Legen wir uns diesen Text auf Wiedervorlage, ins Jahr 2025. Sie werden sehen. Ansonsten: Träumen Sie von einer schönen Zukunft. Das ist erlaubt.

 

 

 

Wenn der Mount Everest wackelt, lässt der Seegang nach

Wie gut. Ein Erdbeben. So, wie diese kûrzen Sätze dastehen, lesen sie sich hochgradig zynisch. Aber so ist das Leben. So denkt die Politik. Da war unsere Kanzlerin samt Gefolge angesichts der Empörung über massenhaft ertrinkender Flüchtlinge tatsächlich in Bedrängnis geraten. Man stand kurz davor, Herz zeigen zu müssen. Und dann wackelt der Mount Everest.

Nepal muss geholfen werden. Schnell und wirksam. Ich habe vor ein paar Jahren eine Journalisten-Delegation aus diesem Land betreut. Die Vorstellung, dass die netten Kollegen von damals irgendwo in Kathmandu unter einem Schuttberg begraben sein könnten, gefällt mir gar nicht. Selbstverständlich sollten wir alle etwas spenden.

Aber die Dauerkatastrophe im Mittelmeer darf nicht in Vergessenheit geraten. Denn die Beschlüsse des EU-Gipfels sind vor allem eine auf Öffentlichkeit getrimmte Realpolitik. Die verändert nur selten viel. Die  aktuellen Spitzenkräfte der Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union haben ein bisschen Zucker beschlossen, also mehr Geld für Seenotrettung. Zugleich aber deutlich mehr Peitsche, so etwa durch das Erfassen von Fingerabdrücken bei Flüchtlingen, um eine Wiedereinreise nach abgelehntem Asylantrag zu verhindern.

Die größtmögliche Schnapsidee aber ist der Versenken von Schleuser-Booten. Nach allem, was wir wissen, setzen die Schlepper in der Regel Boote ein, auf deren Rückkehr sie gerne verzichten. Flüchtlinge auf diese Weise stoppen zu wollen, ist so, als würde man Schrottplätze bombardieren, um die Staus im Berufsverkehr zu bekämpfen. Untergangsfahrzeuge übelster Qualität werden sich für „hochkriminelle Schleuser“ immer wieder finden lassen.

Man kann auch anders fragen: Gehört es nicht zu unseren wichtigsten westlichen Werten, dass das Eigentum anderer Menschen respektiert wird? Ist der Kapitalismus nicht die Wurzel unseres Wohlstandes? Woher nehmen wir das Recht, mittels Kampfflugzeugen Schiffe versenken zu spielen und das Eigentum anderer Leute zu vernichten? Würden wir es mit einem Schulterzucken hinnehmen, wenn libysche Drohnen unsere Busbahnhöfe beschießen würden, weil sich die Regierung dieses Landes vorgenommen hat, etwas gegen unsere anarchistische Reisefreiheit zu tun? Sicher nicht.

Hinzu kommt, dass die chirurgische Präzision westlicher Luftschläge ähnlich ausgeprägt ist wie die Treffgenauigkeit des Bundeswehr-Gewehrs G 36. In Afghanistan oder Pakistan wurde das ausreichend  belegt. Wenn der Westen seine Grenzen schützt, möchte man kein unbescholtener Fischer sein.

Das Leid wird weitergehen. In Nepal bis auf Weiteres. Im Mittelmeer auf Dauer. Vielleicht lässt wenigstens der Seegang nach. Für eine Verschnaufpause. Das Top-Thema der Medien ist gerade ein anderes.

 

 

 

 

Du willst Du Sklaven sehen? Flieg mit Qatar Airways

Horst Seehofer hat den Menschen gedient. Unser Ministerpräsident ist nach Arabien geflogen, um dort bayerische (Rüstungs-)Wertarbeit zu verkaufen. Zum Abschluss seiner Reise besuchte er den Emir von Katar. Die Atmosphäre war nett. Man kennt sich seit einer Begegnung in München und teilt die Liebe zum Fußball. Sklaven, so darf man annehmen, hat der CSU-Chef keine bemerkt.

Katar ist sagenhaft reich und erfolgreich. Nehmen wir Qatar Airways. Seit dem Jahr 2004 hat diese Fluglinie sie ihr Passagieraufkommen versechsfacht. Sie beschäftigt 18.000 Menschen, wobei  90 Prozent der Belegschaft serviceorientierte Migrantinen und Migranten sind.

Ach ja, Frauen sind auch an Bord. Brave Frauen. Denn die Arbeitsverträge sehen vor, dass Qatar Airways weibliches Kabinenpersonal im Falle einer Schwangerschaft entlassen darf. Weil Kündigung durch die Firma  eine Schande ist, erledigen das die meisten Frauen lieber selber. Weibliche Angestellte dürfen von keinem Mann, außer ihrem Vater, Bruder oder Ehemann, am Arbeitsort abgeholt oder abgesetzt werden. In den ersten Dienstjahren ist Heiraten verboten. Wer später heiraten will, muss die Firma fragen. Die behält sich vor, den Heiratsantrag abzulehnen.

Wie die Internationale Transportarbeiter-Gewerkschaft schildert, ist es strikt verboten, außerhalb der von der Fluggesellschaft zugewiesenen Unterkünfte zu übernachten. Besatzungsmitglieder müssen zwölf Stunden vor ihrem nächsten Diensteinsatz in ihren Unterkünften sein. Sie dürfen diese nur für eineinhalb Stunden verlassen. Da die Türen mit Magnetkarten versehen sind, kann das Unternehmen die Bewegungen sämtlicher Angestellter nachverfolgen. Das Missachten der Ausgangssperre ist denn auch der häufigste Entlassungsgrund.

Berichtet wird ferner, dass Qatar Airways Wohnungsdurchsuchungen durchführt, während Crewmitglieder in der Luft sind. Tätowierungen sind ein Entlassungsgrund, selbst wenn sie unter der Uniform nicht sichtbar sind. Der falsche Sitz des Hutes kann zur Kündigung führen, Kaugummikauen ist ebenso verboten wie das Verwenden von Mobiltelefonen. Schließlich – wir sind ja bei einer Fluglinie – brauchen Angestellte, die das Land zwecks Urlaub verlassen wollen, eine Sondergenehmigung der Firma. Diese wird erteilt – oder auch nicht.

Du willst Sklaven sehen? Du musst nicht nach Katar. Das richtige Flugzeug tut es auch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Supermärkte: Die Quengelzonen unserer Fettzellen

„Denk‘ ich ans Wiegen in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht.“ Vielleicht, nein wahrscheinlich würde der große Heinrich Heine so dichten, wenn er in diesen Zeiten einer von uns wäre. Denn tatsächlich: Deutschland ansich interessiert uns weniger stark als unsere falsch positionierten Pölsterchen oder Polster. Jedoch, gibt es ein Entrinnen? Theoretisch unbedingt, in der Praxis kaum. Denn wer kauft nie im Supermarkt?

Unser Glaube an die Theorie des Schlankwerdens spiegelt sich in der Vielzahl von mehr oder weniger qualvollen Diäten. Die Liste reicht von A wie Atkins- und Ayurveda-Diät über G wie Gylx-Diät und M wie Mittelmeer-Diät bis hin zu W wie Weight-Watchers- und X wie xx-well-Diät. All diesen Konzepten ist gemeinsam, dass man auf etwas Falsches verzichten soll. Das gelingt in Einzelfällen durchaus. Allzu oft jedoch ist der Jo-Jo-Effekt treuer  Begleiter von Abschmelz-Aktionen.

Vielleicht haben wir die ultimative Strategie bloß noch nicht erkannt: die Tante-Emma-Diät. Was sich aber ändern könnte. Forscher der Göttinger Georg-August-Universität wollen nämlich herausgefunden haben, dass das Einkaufen im Supermarkt dick macht. Die Wissenschaftler haben sich bei ihrer Studie in Kenia umgeschaut. Dort, wie auch in Schwellenländern Asiens, sind traditionelle kleine Lebensmittelläden auf dem Rückzug. Sie werden – wir haben das auch erlebt – durch Supermärkte ersetzt. Und es zeigte sich: In Städten mit einer vergleichsweise großen Zahl von Einkaufszentren gibt es nachweislich mehr dicke Menschen.

„Kalorien sind im Supermarkt billiger als in traditionellen Geschäften“,  lautet eine Begründung der Göttinger Ernährungsforscher. Und wenn wir ehrlich sind, stimmt es doch.

Löst unsere Fleischereifachverkäuferin mit der Frage „Darf’s a bissl mehr sein?“ einen sanften Völlerei-Alarm aus, so hauchen uns die Produkte in den Auslagen der Einkaufszentren ein vielstimmiges „Nimm mich!“ zu.  Während innere Stimmen gleichzeitig „Greif zu!“ rufen.

Natürlich werden wir schwach. Die Supermärkte sind die Quengelzonen unserer Fettzellen. Woanders kaufen wäre ein Weg. Alsdenn: Denk ich an Lidl in der Nacht…

Der Friedhof Mittelmeer macht zynisch

In manchen Zeiten führt Zeitungslektüre zwingend zu zynischen Ideen. Gerade ist es wieder so. Wegen der massenhaft ertrinkenden Bootsflüchtlinge.

Die Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union hat also aus wirtschaftlichen Gründen dafür gesorgt, dass Flüchtlinge, die bisher schon nahe der libyschen Küste gesehen und immer wieder mal geborgen wurden, aus dem Blickfeld geraten ist. Der europäische Küstenschutz und damit auch das von abendländischen Werten getragene amtliche Menschenrettungswesen beginnt jetzt erst kurz vor Italien. Wer auf dem Weg dorthin ersäuft, hat Pech gehabt. Massenhafter Tod ist unsichtbar geworden.

Und dann lese ich einen netten Artikel aus der Kategorie „Gute Nachricht“. Darin wird geschildert, wie ein Biber, der auf einem nächtlichen Streifzug ins Schwimmerbecken des Nürnberger Naturgartenbades gefallen ist, in einer dramatischen Aktion gerettet wurde. Unter Hinzuziehung des Biberbeauftragten einer Naturschutzorganisation wurde das laut Berichterstattung vom Dauerschwimmen entlang des für ihn zu hohen Beckenrandes erschöpfte Tier gerettet.

Da kommt dir – auch wenn du diesen Zynismus nicht willst -ein Gedanke: Ach, wäre dieser Biber doch ein Bootsflüchtling gewesen. Wie menschlich hätte man sich um ihn gekümmert. Und wie wäre es, wenn es einen europäischen Flüchtlingsbeauftragten gäbe, der beim Retten von Ertrinkenden einfach so handeln darf wie er möchte.

Eine weitere Nachricht lieferte der G7-Gipfel in Lübeck. Im bei solchen Treffen üblichen Begleitprogramm wurden die anwesenden Staatenlenker auf ein Schiff der Küstenwache gebeten. Sie bekamen blaue Hansestadt-Lübeck-Jacken angezogen und durften bei ihrer Bootstour für die Fotografen souverän lächelnd in die Ostsee schauen.

Und dann denkst du dir, wie es wäre, wenn diese Gipfel-Diplomaten ein bisschen weiter rausgefahren wären. Und 30 Kilometer vor der Küste hätte der Kapitän den Motor abgestellt, den Schlüssel ins Wasser geworfen und das Schiff samt Crew mit dem Rettungsboot verlassen. Ob die dabei erlebte  Erfahrung von Wellengang und Orientierungslosigkeit politisch etwas ändern würde?

Nein, das ist nicht passiert. Und es wäre – das denkst du dir dann – auch wirklich zu böse.

Dein Rest-Zynismus ist aber keineswegs weg. Er sagt dir Folgendes: Im Gegensatz zu Bibern stehen Flüchtlinge bei uns nicht unter Naturschutz. Doch das solltest du wahrscheinlich nur ganz, ganz heimlich denken. Es ist auch wirklich zu böse.

 

Obama, Castro und der schweigsame Vatikan

Große historische Gesten können schlicht sein. Unvergessen ist der Kniefall des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt in Warschau. Auch US-Präsident Barack Obama dürfte sich seinen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert haben: Er hat seinem kubanischen Amtskollegen Raúl Castro die Hand gegeben. Auf dass Friede sei zwischen dem renitenten Inselstaat und dem ganz großen Bruder.

Klar, dass die Feindbild-Bewahrer in beiden Staaten motzen. Das war bei uns damals nicht anders. Doch  längst dürfte durchgerechnet sein, dass der Nutzen der Annäherung für die USA größer sein dürfte. Schließlich ist Kuba ein ungesättigter Markt für wunderbare Artikel des täglichen Lebens, wie Telefone, Elektrogeräte und Handfeuerwaffen. Die sozialistische Insel dürfte auch eines der letzten Gebiete weltweit sein, die Produkte von McDonald’s gut finden.

Wir werden sehen: Es lohnt sich, dem Bösen die Hand zu reichen.

Schwierig ist ein solcher Schritt allemal. Wie uns gerade in absurder Weise der Vatikan vorführt. Die französische Regierung hat einen neuen Botschafter für den Kirchenstaat benannt. Er heißt Laurent Stéfanini und bekennt sich offen zu seiner Homosexualität.

Wie reagiert man in Rom auf die geplante Akkreditierung? Man sagt gar nichts, man schweigt beharrlich. Und dies gilt nach den Regeln der klerikalen Diplomatie als eindeutige Ablehnung der betreffenden Person. Man erwartet, das der andere Staat den Vatikan in keine Erklärungsnöte stürzt und stattdessen jemand benennt, der aus amtlicher katholischer Sicht in ordentlichen Verhältnissen lebt.

Halt, denkt man da? Handelt hier nicht der eigentliche Weltmarktführer für Versöhnung? Hat nicht Papst Franziskus höchstselbst erklärt, dass Schwule schwul sein dürfen, wenn sie ansonsten einen festen Glauben haben? Schon, aber er ist ja nur der unfehlbare Chef, im Hintergrund regiert der Apparat.

Diesen wiederum gibt es in jedem Staat. Danken wir also Barack Obama für den Händedruck. Was wirklich daraus wird, muss sich aber erst noch zeigen…

Wladimir, der Spargel wächst

Was wäre es doch für eine Welt, in der immer alles funktioniert und in der es immer gerecht zugeht? Keine schöne, jedenfalls nicht für uns Medien, die wir vom besonderen, vom unerwarteten Geschehen leben. Irgendwas kommt immer anders.

Nehmen wir bloß diesen Frühling. Schon seit Wochen müssten uns dank Sonnenlicht und steigender Temperaturen die Hormone in Blut und Gehirn schießen. Stattdessen hätte man über Ostern darüber nachdenken können, ob sich unsere Region auf einer bislang unbekannten tektonischen Platte in Richtung Polarkreis verschoben hat. Gut, jetzt scheint das Wetter die Kurve zu kriegen. Sogar der Spargel wächst.

Apropos Spargel: Zum wichtigen Exporteur dieses Gemüses hat sich Griechenland entwickelt. In der Umgebung der Nürnberger Partnerstadt Kavala wächst es reichlich, wird aber komplett ausgeführt, weil die Menschen dort den Geschmack nicht mögen.

Aber unser Geld wollen sie, raunzt an dieser Stelle der Stammtisch. 278,7 Milliarden Euro! Was den Hinweis auf die bislang allzu mäßig erfolgte Wiedergutmachung für NS-Verbrechen angeht, haben die Griechen recht. Die Summe ist aber wohl zu gewaltig. Zumal das Geld nur noch in gewissen Emiraten richtig locker sitzt.

Selbst der russische Vorzeige-Macho Wladimir Putin, der sagenhaft reich sein muss, da er eine subtropische Stadt am Schwarzen Meer in ein Wintersportparadies verwandelt hat, hat den Griechen nur „Millionen“ versprochen. Wobei es durch den Bau einer Gas-Pipeline ziemlich viele werden könnten.

Mehr sollte Putin aber nicht bieten, denn trotz gestählter Muskulatur und junger Lebensgefährtin ist er einem erhöhten Lebensrisiko ausgesetzt: Kleinere Menschen sind in größerer Gefahr, am plötzlichen Herztod zu sterben. Dies wollen Forscher der Universität Leicester herausgefunden haben. Demnach erhöht sich pro 6,5 Zentimeter geringerer Körpergröße das Erkrankungsrisiko um 13,5 Prozent.

Ab 48 Zentimeter geringerer Körpergröße wäre die Todesursache demnach sicher. Allerdings: Die Forscher haben nicht erklärt, ob ihre Berechnung von Dirk Nowitzki oder Wladimir Putin ausgeht. Der Spargel wächst immer – irgendwann. Ein großer Rest bleibt ungewiss. Und das ist – alles in allem – auch gut so.

Gönnt dem Papst die Pizza

Ach ja, dieser Papst. Alle lieben Franziskus. Selbst dann, wenn er über würdevolle Ohrfeigen philosophiert. Möchte man also mit ihm tauschen? Also, ich nicht.
Am Ostersonntag wurde auf dem Petersplatz in Rom des Heilands Auferstehung gefeiert. Nun sollte man doch meinen, dass es sich beim Sieg über den Tod um ein freudiges Ereignis handelt. Die Geschichte von Jesus‘ Wiederkehr eignet sich als Stoff für eine riesengroße Party. Meint man.
Die Fernsehbilder zeigen etwas anderes. Die Gesichter vieler Menschen sind todernst. Und ein älterer Herr redet von Kriegen, Folter, Kindsmissbrauch und religiöser Verfolgung. Seltsam freudlos, das Ganze.
Doch warum schreibe ich das überhaupt? Seit ich denken kann, kenne ich es nicht anders. Wahrscheinlich ist es zwar die Aufgabe eines Papstes, Hoffnung zu verbreiten. Aber offenbar so, dass den Menschen klar wird, dass es in Urbi und Orbi so viel Mist gibt, dass diese Zuversicht göttlich sein muss. Letztlich muss das alles so dosiert sein, dass die Menschen nicht noch verzweifelter nach Hause gehen, als sie zur Feier auf dem Petersplatz angekommen sind.
Ich möchte das nicht machen müssen. Aber Papst wäre sowieso nichts für mich, wenn ich lese, was er selber so sagt. Liebend gerne, so Franziskus gegenüber einem mexikanischen Fernsehsender, möchte er ab und zu aus dem Vatikan ausbrechen, um irgendwo in Rom eine Pizza zu essen. Da haben wir es doch viel einfacher. Zumal wir unseren mit Salami & Co, belegten Teigfladen nicht im weißen, im konkreten Fall also höchst verräterischen Gewand verzehren müssten.
Man muss den Papst nicht beneiden, aber er verdient unser Mitgefühl. Denn die Ärzte des Vatikans haben missmutig registriert, dass Franziskus seit seiner Wahl im Jahr 2013 ziemlich an Gewicht zugelegt hat. Die Mediziner haben dem Vernehmen nach zum teilweisen Pasta-Verzicht geraten.
So viel Leid weltweit, so wenig Hoffnung – und dann auch noch Diät? Nein, das ist zu viel für einen Menschen. Lieber Franziskus, bei der nächsten Calzone denken wir an Dich und beten, dass Du auch bald eine kriegst. Versprochen! Amen!

Auch am Herd lauert die Depression

Die Widersprüchlichkeit ist fester Bestandteil der menschlichen Existenz. Sie zeigt sich in vielfältigen Schatteriungen und Erscheinungsformen. Sogar am heimischen Herd. Man sieht uns dort seltener als man denken sollte. Wir sind annähernd Anti-Weltmeister.

Gibt es nichts Wichtigeres als das Kochen? Sicher, in diesen Tagen könnte man sich auch anders über unser Thema auslassen. Zum Beispiel mit Blick auf diejenigen Menschen, die stolz von ihrem Burn-Out als Beleg ihrer besonderen Leistungsbereitschaft erzählen. Die aber zugleich sicher sind, dass Depression unheilbar ist, weshalb ein solches Leiden zur Verbannung aus dem Berufsleben führen müsste.

Aber lassen wir das. Das Nürnberger Meinungsforschungsinstitut GfK will herausgefunden haben, dass durchschnittliche Deutsche nur knapp fünfeinhalb Stunden am Herd stehen. Pro Woche! Dabei seien notorische Nichtkocher schon herausgerechnet.

Das wundert uns. Denn im Fernsehen laufen jede Menge Kochshows. Nicht, dass es diese anderswo nicht auch gäbe. Im arabischen Raum etwa genießt der TV-Koch von Dubai einen vorzüglichen Ruf. Doch wenn man sich denkt, auf wie vielen Kanälen es bei uns gart, brutzelt oder zischt, müsste mehr passieren. Schließlich darf das Verbreiten von Wissen als Sinn kulinarischer Telekollege gelten. Und es werden Monat für Monat so viele Rezepte verbreitet, dass es jeweils für ein halbes Menschenleben reichen würde.

Mit Hingabe gekocht wird anderswo. Ukrainer und Inder arbeiten laut Studie 13 Stunden pro Woche am Essen gearbeitet. Die größte Leidenschaft für’s Kochen äußern Italiener und Südafrikaner. 43 und 42 Prozent der in diesen Ländern haben daven geredet, bei uns waren es nur 26 Prozent. Am ödesten sieht es in Sachen frische Kost in Südkorea aus. In ostasiatischen Tigerstaaten ist das Leben eben komplett dem Bruttosozialprodukt gewidmet.

Was aber sagen uns unsere mäßigen Zahlen? Vielleicht hätte bei der Auswertung über die Kochdauer die Statistik über die Verbreitung von Induktions-Kochfeldern berücksichtigt werden sollen. Unsere Autos sind die Schnellsten, die Küchentechnik ist bestimmt besser als in Indien.

Wahrscheinlicher ist aber, dass wir Kochshows zuschauen, aber eigentlich nicht wissen, wovon die Leute reden. Wir haben eben keine Ahnung von der Sache. Was es, wenn man es genau betrachtet, bei ernsteren Themen auch geben soll…