Die Zukunft? Her mit den Körperdaten!

Wie sieht die Welt der Zukunft aus? Diese Frage beschäftigt uns immer wieder mal. Was mich angeht, gebe ich zu: Ich wandle auf einem schmalen Grat zwischen Faszination und Grusel. Nicht alles ist eine Verheißung.

Gehen wir davon aus, dass es für die Computer, besonders aber für die Smartphones dieser Welt im raschen Takt neue Software und Apps geben wird. Unterhaltung wird dominieren. Sofern es um harmlosen Quatsch geht, wird keiner Einwände haben.

Autos werden lernen, selbst zu fahren. Wir können getrost unsere Mails checken oder famosen 3-D-Raumklang aus unserer Musikanlage genießen, während wir auf der Autobahn unterwegs sind. Doch hier kommen uns die ersten Zweifel. Bestimmt kann diese überragende Technik zunächst nurvon Oberklasse-Käufern bezahlt werden. Sie funktioniert aber nur, wenn sich das Fahrzeug an die Verkehrsregeln hält, die ihm per Satellit gemeldet werden.

Wie aber fühlt sich der Besitzer eines 400-PS-Audis, wenn er mit Tempo 6o durch die Baustelle rollt und von ungeduldigen  Lkw-Fahrern die Lichthupe bekommt? Wo bleibt die Freude am Fahren, wenn man selber bloß auf Instrumente glotzt? Intelligente Karre, dösender Fahrer – wollen wir das wirklich?

Weltweit Furore wird allerdings das ein Kleidungsstück machen, an dem zurzeit bei uns in Franken das Fraunhofer-Institut forscht. Es handelt sich um eine Art Vorratsdaten-Hemd. Während wir es tragen, überprüft es laufend unsere Körperfunktionen. Wir erfahren, was uns den Puls hochtreibt, was uns glücklich macht, welche Handicaps wir haben, welche uns drohen.

Jede Wette, dieses Shirt wird ein Renner. Man hat sich immer Kontrolle. Man weiß, wann man zu viel und das Falsche gegessen und deswegen gefurzt hat. Durch die Vernetzung mit anderen Probanden wird auch das moderne Bedürfnis nach dem Vergleichen, dem so genannten Benchmarking, befriedigt. Wir wollen erfahren, dass wir besser sind. Und wir werden besser sein.

Goldene Zukunft, demnach? Vielleicht. Bis man älter ist. Denn was als Sportzubehör startet, wird irgendwann von der Gesundheits- und Versicherungsbranche entdeckt werden. Die von Niedrigstzinsen geplagten Konzerne werden das Späh-Hemd nutzen, um den Trägen, Fetten und Dauerkranken die Beiträge nach oben zu korrigieren. Beste Tarife verdient nur, wer sich nachweisbar um seine Gesundheit kümmert. Und wer sich weigert, seine Vitaldaten zu senden, zahlt erst recht.

Sie halten das für unwahrscheinlich? Alsdenn: Legen wir uns diesen Text auf Wiedervorlage, ins Jahr 2025. Sie werden sehen. Ansonsten: Träumen Sie von einer schönen Zukunft. Das ist erlaubt.