Gleicher Lohn fällt nicht vom Himmel

Es war also wieder Equal Pay Day. Bei Veranstaltungen, in Reden, auf Flugblättern wurde auf die „geschlechterspezifische Entgeltlücke“ aufmerksam gemacht. 22 Prozent weniger verdienen Frauen im Durchschnitt laut Statistischem Bundesamt. Bloß: Der Kampf gegen ungerechte Bezahlung hat nicht nur mit Gleichberechtigung zu tun.

Übel wird es immer dort, wenn die Gier von Arbeitgebern auf die Naivität, Trägheit oder auf eine schlichte Hilflosigkeit der Arbeitnehmer trifft. Im Kapitalismus darf man es Unternehmern nicht vorwerfen, wenn sie versuchen, mit geringstmöglichem Aufwand einen größtmöglichen Ertrag zu erzielen. So läuft das Geschäft. Fairness ist in diesem System nicht zwingend.

Nun wissen kluge Chefs, dass anständig bezahlte Mitarbeiter/-innen bessere Ergebnisse bringen. Doch allzu oft siegt die Gier über den Verstand. Also nutzen Unternehmer auch noch das allerletzte Schlupfloch, um ihre Beschäftigten auszunehmen. Bis vor ein paar Jahren war das die Leiharbeit. Heute wird vor allem mit Werkverträgen  Geld gespart. Oder man setzt gleich auf Soloselbstständige. Die sind selber schuld, wenn sie für ein Butterbrot schuften.

Aber wie kommt man zu anständigen Löhnen? Wie kann es gelingen, dass Geschlechtergleichheit nicht dadurch hergestellt wird, dass Männer weniger bekommen? Unsere weit verbreitete Sehnsucht ist, dass sich das schon irgendwie ergibt, dass jemand für uns sorgt. Obwohl erwiesen ist, dass Geld nicht vom Himmel fällt, dass Scheinwerfer keine Scheine werfen und dass Chefs anderen nur seltenst Geschenke machen.

Also gilt: Man erreicht etwas, wenn man sich zusammentut, gemeinsam etwas verlangt und andernfalls mit Liebes-, sprich Arbeitsentzug droht. Oder anders ausgedrückt: Wo es keine Gewerkschaften, keine Tarife und keine Betriebsräte gibt, werden die Menschen verarscht. Wahrheit kann so einfach sein…