An diesen Mörder glaub‘ ich nicht

Wirklich schlimm, mir fehlt der Glaube. Der Glaube daran, dass die russische Polizei ausgerechnet den Mord an dem Putin-Gegner Boris Nemzow in Rekordzeit aufgeklärt haben soll. Bin ich ein Opfer der westlichen Propaganda?

Der Verdächtige, der da im russischen Fernsehen vorgeführt wurde, ist mir einfach zu klischeehaft. Ein Tschetschene – und damit sowieso ein potentieller Staatsfeind. Zudem ausgesprochen hässlich mit einem mageren Kriminellen-Gesicht und mit einer Frisur, wie man sie nach drei Tagen Tiefschlaf unter einer Brücke hat. Und schließlich mit dem Bekenntnis: „Ich liebe den Propheten Mohammed.“

Ich habe mir seine Geschichte so weitergedacht: Dieser Mann und seine mutmaßlichen Komplizen werden in einem von Russia Today live übertragenen Prozess zu lebenslanger Verbannung verurteilt. Nachdem sie irgendwo in den Weiten Sibiriens eingesperrt sind, wartet man ein bis zwei Jahre, um sie dann mit einer Sporttasche voller Geld aus dem Gulag zu verabschieden. Woraufhin unsere „Killer“ auf die Krim umsiedeln, dort eine Wodka-Bar eröffnen und fortan an der Seite junger Ukrainerinnen ein erfülltes Männerleben genießen.

Mein Misstrauen ist mir eigentlich zuwider. Aber nun kommt Wladimir Putin ins Spiel. Er hat jetzt erklärt, dass er die „Heimholung“ der Krim selbst befohlen hat. Er gibt damit zu, dass er die Welt über seine Rolle dreist belogen hat und lässt sich dafür auch noch als Held feiern.

Da versteht sich einer auf schamlose Propaganda. Also gönne ich mir die Skepsis, die spätestens dann bestätigt sein wird, wenn die russischen Behörden vermelden, dass über dem Sofa des Verdächtigen ein Poster hängt, das den boxenden Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko mit nacktem Oberkörper zeigt. Den russischen Sicherheitsbehörden wiederum gratuliere ich dazu, dass sie ihr Mörder-Casting so schnell und mit so einem scheinbar überzeugenden Ergebnis hinbekommen hat.

Für mich bleibt es dabei: Ich glaube Euch kein Wort. Möge mich die Geschichte eines Besseres belehren.