Der Franke und sein Herz aus Sandstein

Der Franke gilt als „Gewürfelter“. „Sich wenden, sich drehen, im Leben bestehen“, sehen Heimatforscher als seine typischen Eigenschaften. Der Franke mag langweilig erscheinen. Aber er überrascht immer wieder mit Wendigkeit, Witz und Widersprüchlichkeit. Selbst dann, wenn er singt.

Einem großen Millionenpublikum war die fränkische Neigung zu extremen Hochs und Tiefs bisher aus dem Fußball bekannt. Der 1. FC Nürnberg, auch bekannt als „Der Club“, wurde Deutscher Meister – und stieg bei nächster Gelegenheit ab. Er wurde Pokalsieger – und war ein Jahr später weg vom Fenster. Der Fahrstuhl des Lebens ist des Frankens Stammplatz.

Jetzt ist ein gewisser Andreas Kümmert grandios in die Fußstapfen der ruhmreichen Kicker vertreten. Mit Pilsbar-Outfit, Zauselbart, aber toller Stimme siegte der Unterfranke beim Vorentscheid des Eurovision Song Contest. Hashtag #USFÖ“ (Unser Song für Österreich). So sicherte er sich die Chance, vor noch mehr Zuschauern aufzutreten, als es der Glubb jemals geschafft hat. Sogar Australien schaut diesmal zu. Doch im entscheidenden Moment wurde sein „Heart of Stone“ weich wie Sandstein und rutschte ihm tief in die ausgebeulte Jeans.

„Ich bin nur ein kleiner Sänger“, seufzte er nach seinem Sieg ins Mikrofon und gab den Fahrschein nach Wien an eine Kollegin ab, die ein Lied über schwarzen Rauch schreit. Warum – darüber darf gerätselt werden. Vielleicht hat ihn zwecks hohem Fieber die fränkische Bescheidenheit übermannt. Es gab da aber auch das Gerücht, er habe bei einem Konzert Frauen als Schlampen beschimpft und sie zum Oralverkehr aufgefordert.

Einem Rockstar, das wissen wir, könnte das nicht schaden. Beim durchgeknallten Glitzer-Contest gehört sich das natürlich nicht. Wien sagt: „Was kümmert uns Andreas?“. Und nach diesem überragenden Absturz gilt. Wer sich so schnell in die vierte Liga schießt, kommt nur ganz, ganz schwer nach oben.