Seien wir faul. Zeit verschwenden wir sowieso

Wer kennt nicht dieses Gefühl? Man hat von seinem Grundrecht auf Faulheit Gebrauch gemacht – und plagt sich nun mit seinem schlechten Gewissen herum. Hätte man nicht in der Zeit des Nichtstuns etwas tun müssen? Darf Stillstand sein? Gerne würde man aus vollem Herzen „Ja“ sagen. Aber ein bisschen Magengrummeln bleibt eben doch.

Dabei kommt es oft noch schlimmer: Unser Dasein ist prallvoll mit erzwungenen Pausen. Das hat gerade der ADAC ermittelt. Nach seiner Darstellung gab es auf Deutschlands Autobahnen im vergangenen Jahr 475.00o Staus mit einer Gesamtlänge von 960.000 Kilometern. Dies sei, so der Automobilclub, ein neuer Rekord. Das Volk sei in Staus ziemlich gealtert. Die Autobahn-Stillstände hätten nämlich 285.000 Stunden gedauert. Dies seien umgerechnet mehr als 32 Jahre.

Zwar hat sich der ADAC zuletzt nicht durch ein seriöses Auswerten von Daten hervorgetan. Aber in diesem Fall glauben wir gerne, dass es immer schlimmer wird. Mehr Staus sind logisch in einer Zeit, in der schon die einfachsten Produkte im Onlinehandel bestellt und wieder zurückgeschickt werden. Irgendeiner muss die ganzen Sachen ja fahren.

Zwangspausen gehören dazu. Wenn wir davon ausgehen, dass der durchschnittliche Mensch etwa ein Fünftel seines Arbeitslebens mit dem Warten auf den Feierabend verbringt, gehen auf dem Weg bis zur Rente zirka sieben Jahre. Eltern pubertierender Mädchen vergeuden viel Lebenszeit damit, auf den Einlass ins Bad zu warten.

Aber tun wir nicht so, als würden wir mit unserer Zeit streng haushalten. So haben in den guten Zeiten von „Wetten, dass…?“ zirka zehn Millionen Fernsehzuschauer pro Jahr rund 250 Millionen Stunden Lebenszeit vergeudet. Das sind 10,4 Millionen Tage und 28.520 Jahre. Und wenn wir an die Fußballfans denken, die dank Bezahlsender an sieben Tagen pro Woche im Schnitt um die drei Stunden ihres Lieblingssports sehen, wird uns endgültig schwummrig. Die öffentlich-rechtlich ausgestrahlten Spiele kommen schließlich noch dazu. Würden Männer diese Zeit zum Arbeiten verwenden, die Rente mit 42 wäre möglich.

Doch das ist nicht der Punkt. Vielmehr lernen wir gerade, dass wir kein schlechtes Gewissen haben müssen. Zeit verschwenden wir sowieso. Seien wir also faul – und fühlen wir uns richtig gut dabei. (Der Verfasser wechselt hiermit auf’s Sofa.)