Von Sitzenbleibern und Stehpinklern

„Setzen, Sechs!“ Nach unserer festen Überzeugung würde dieser Satz den Griechen und anderen verschuldeten Südeuropäern gelten. Jedoch: Die wahren Sitzenbleiber sind wir. Sollten aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zutreffen, wird die Evolution aus uns Deutschen Menschen mit dicken Hintern machen.

Mit dieser Drohung hat gerade die Deutsche Krankenversicherung (DKV) die Aufmerksamkeit der nationalen Weltpresse gewonnen. Nach ihren Erkenntnissen sitzen wir im Durchschnitt 7,5 Stunden täglich. Büromenschen beanspruchen ihr Gesäß noch länger. Kinder und Jugendliche sähen ihre Eltern meistens auf dem Sofa und ahmten deren Lebensgewohnheiten nach. Auf diese Weise riskierten wir, so die Studie, immer mehr Übergewicht und eine ganze Reihe weiterer Wohlstandskrankheiten. Kurzum: Wer länger sitzt, ist schneller tot.

Aber was tun? Der vorbildliche Krankenkassen-Kunde achtet selbstredend auf eine saubere Work-Life-Balance. Diese jedoch erreicht man nicht mehr so leicht wie noch vor ein paar Jahren. Denn wir sind heute auch das europäische Volk, das – nach Rumänien – die meisten Überstunden leistet. Was wiederum bedeutet, dass zwischen Büro und Abendessen nur wenig Zeit bleibt, um dem Körper zu geben, was er braucht. Joggen mit frisch gefülltem Magen ist ja auch nicht das Gesündeste.

Die Sitz-Falle schnappt zu. Und deshalb ist es – immerhin – gut, dass es wenigstens für Männer Hoffnung gibt. Das Düsseldorfer Amtsgericht hat in einem Aufsehen erregenden Urteil das Stehpinkeln in Mietwohnungen erlaubt. Man(n) muss also nicht immer sitzen. Wobei: Für Bewegung eignet sich gerade diese Verrichtung gar nicht.

Es ist ein Jammer. Na denn: Sind noch Chips im Haus?