Baby-Namen zeigen: Uns fehlen wahre Idole

Politiker und Bürger sind sich fremd geworden. Beispielhaft zeigt sich das an den Vornamen der Neugeborenen. Vorbei die Zeiten, in denen sich Eltern bei der Namenswahl an den Reichen und Mächtigen orientiert haben. Wie der bekannteste deutsche Vornamensforscher Knud Bielefeld ermittelt haben will, waren Emma und Ben im Jahr 2014 die beliebtesten Baby-Namen.

Warum das so ist, bleibt im Dunkeln. Der Name Ben hat sicherlich den Vorteil, dass er sich für eine maßregelnde Ansprache bestens eignet. Ein Satz, der mit „Also, wennnnnn, Bennnn…“ beginnt, ist antiautoritär undenkbar. Emma ist für mein Empfinden altmodisch. Vielleicht liegt es daran, dass ich noch aus der Zeit vor Amazon und Ebay stamme und deshalb diesen Namen zwanghaft mit dem Zusatz „Tante“ sehe.

Nun aber machen wir den Test: Gibt es namhafte Politiker/-innen, die so heißen? Nein, da ist nichts. Weder im Deutschen Bundestag, noch im Bayerischen Landtag sitzen auch nur eine Emma oder auch nur ein Ben. Die Namen des Spitzenpersonals wiederum bleiben in den Kreißsälen weitestgehend ungehört. Angela findet sich nach den Bielefeld-Charts nicht einmal unter den 500 häufigsten Vornamen. Unsere Kanzlerin rangiert also noch hinter Cassandra, Saphira und Melody. Der SPD-Spitze ergeht es nicht besser. Sigmar bleibt ebenfalls ungelistet und verliert den Kampf gegen Hussein oder Lennox.

Selbst die CSU muss die Vornamensliste mit Grausen beobachten. Zum ersten Mal seit Menschengedenken steht bei den Jungs nicht mehr Maximilian an der Spitze. Der Name, nach dem das Parlament heißt. Die meisten Baby-Bayern heißen heute Lukas oder Lucas. Tja, man hat sich das selbst zuzuschreiben. Hatte man doch früher Ministerpräsidenten mit den alpenländischen Supernamen Josef (Goppel), Franz-Josef (Strauß) und Max (Streibl). Es folgte Edmund (Stoiber), ein Name, der aus dem Englischen kommt und „Beschützer des Erbgutes“ bedeutet. Schließlich der entsetzlich unbayerische, weil altgermanische Vorname Günther (Beckstein) sowie in unseren Tagen Horst (Seehofer). Einen regionalen Bezug kann man hier mit viel gutem Willen nur so ableiten, dass alpine Greifvögel in Wohnungen dieses Namens nisten.

Erstaunlicherweise zeigen unsere Eltern auch den Helden des Sports die kalte Schulter. Die beiden Ober-Weltmeister Mario (Torschütze) und Manuel (Torverhinderer) bleiben absolute Randfiguren. Vielleicht ist Jerome (263. Platz) durch die Fußball-Berichte entdeckt worden. Sollte allerdings die überraschend steile Karriere von Mats (Platz 25!) mit der erfrischenden Spielweise von Borussia Dortmund zu tun gehabt haben, dürfte sich dies in nächster Zukunft wieder legen.

Als Fazit bleibt folgende Erkenntniss: Wenn es um Vornamen geht, machen die Leute was sie wollen. Man mag das als Beweis größtmöglicher Freiheit deuten. Aber vielleicht zeigt sich unsere Sehnsucht nach Heldinnen und Helden, die wir wirklich mögen. Mal sehen, wie lange Frau von der Leyen braucht, bis sie feststellt, dass sie eigentlich Emma heißt.