Ekel-Essen macht uns nur noch stärker

Also sprach meine ehrenamtliche Medienberatung: „Wenn du Klicks willst, musst du über das Dschungelcamp schreiben.“Ja, stimmt schon. Aber irgendetwas in mir sträubt sich. Ich habe nämlich von der aktuellen Staffel nur 15 Minuten gesehen. Sachkunde vorzutäuschen, hieße demnach Lügenpresse sein.

Die wahrhaftige Dschungelcamp-Presse ist die Bild-Zeitung. In ihr habe ich als vermutlich nicht gelogene Meldung gelesen, dass eine gewisse Maren Gilzer einfach alles runterschluckt. Die somit zur Dschungelköniging Gewordene war in den 80-er Jahren eine ausgesprochende Katalog-Schönheit. Nach dem Start des Privatfernsehens drehte sie in einer Sendung namens „Glücksrad“ Buchstaben um. Sie war die Händlerin, bei der man ein „E“ kaufen konnte. Auch ich fand sie damals nicht unsexy.

Ihr Dschungelcamp-Auftritt ist nicht würdevoll, aber lehrreich. Wir erfahren nämlich, dass den essenden Menschen nahezu nichts umbringt. Auch die ekligsten Körperteile ekliger Tiere haben irgend einen Nährwert. Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter.

Und um das zu wissen, brauchen wir keinen Dschungel. Eine Pute aus einem ostwestfälischen Mega-Stall ist wohl kaum gesünder als eine Kakerlake aus australischer Freilandhaltung. Also haben wir uns doch nicht so. Probieren wir etwas Neues.

Zumindest eines ist sicher: Der Glaube, dass ein hoher Preis für Qualität bürgt, ist zumindest unter Männern nicht so weit verbreitet. Gemäß einer aktuellen Statistik ist das billige Oettinger das beliebteste Bier der Deutschen. Es siegte knapp vor Krombacher. Jenem Bier, dessen Verkauf schon mal der Aufforstung des brasilianischen Dschungels diente.

Fazit: Wir bleiben uns treu. Vielleicht ekeln wir uns manchmal. Aber wenn, dann bitte bodenständig.