Fußball: Die Parallelwelt der Selbstgerechten

Ja, ich bin Fußballfan. Ein Leben ohne dieses spannende Spiel wäre für mich ziemlich sinnlos. Es hat mir überragende und – weil ich Anhänger des 1. FC Nürnberg bin – noch mehr niederschmetternde Erlebnisse beschert. Ich habe Star-Kicker verehrt und hingebungsvoll Panini-Sammelbilder gesammelt. Was mich aber nervt: Die Macher des Fußballs missachten Ethik und Recht.

Nehmen wir Uli Hoeneß. Als Steuerbetrüger würde es ihm gut anstehen, sich für seinen Freigang zu bedanken und ansonsten den Mund zu halten. Stattdessen lässt er durch seine Ehefrau seinen Bayerischen Verdienstorden zurückgeben, welcher ihm vor zwölf Jahren für „hervorragende Verdienste“ um Freistaat und Volk verliehen worden war. Und zwar, weil er sich ungerecht behandelt fühlt und deshalb auf Distanz zur Politik gehen will.

Geht’s noch? Sicher, es ist klug, sich von Horst Seehofer fern zu halten. Menschen, die dem CSU-Chef allzu nahe sind, leben erfahrungsgemäß gefährlich. Aber ist es Hoeneß wirklich nicht bewusst, dass sein Urteil keineswegs hart war und  dass es von einem Richter und nicht vom Landtag gesprochen wurde? Denkt er nicht daran, wie seine trotzige Aktion auf die Jugendlichen wirken muss, die er demnächst betreuen darf?

Aber die Sache passt ins System. Der Fußball ist zu einem Geschäft geworden, in dem unfassbar viel Geld bewegt wird. Nur deshalb ist es möglich, dass Weltmeisterschaften an Putins Russland und an Katar, den Staat, in dem man die Sklaven nicht sieht, vergeben werden. Ethik ist egal. Man darf vielmehr vermuten, dass Fifa-Präsident Sepp Blatter einer WM in Nordkorea zustimmen würde, wenn dessen Diktator dafür die Staatskonten leerräumen würde.

Da ist aber auch Marco Reus. Genial am Ball ist er, im Kopf sicher nicht. Wie jetzt belegt ist, ist er jahrelang mit einem Sportwagen ohne Führerschein durch die Gegend gegondelt.

Jetzt nehmen wir doch mal an, es würde bekannt, dass ein 20-jähriger Araber mit seinem Porsche durch die Nürnberger Südstadt gedüst und trotz Polizeikontrollen und Bußgeldern unbehelligt geblieben wäre. Es würde sich auf der Stelle ein paar Dutzend Leute finden, die sich als „Pegemas“ – Patriotische Europäer gegen Migranten am Steuer“ – als Mahnwache an die Hauptstraße stellen würden. Es sei denn, dieser 20-Jährige wäre als torgefährlich bekannt.

Früher waren wir sicher, dass Fußballer doof sind und fanden es gut. Die Geschichte des 60er-Jahre-Stürmers Timo Konietzka etwa, der bei seinem Wechsel zu 1860 München ein Monatsgehalt von 5000 Mark verweigerte, weil er es keinesfalls unter 50.000 im Jahr machen wollte, ist ganz wunderbar. Aber heute sind die Kicker und ihre Chefs nur noch dreist. Zeigen wir den Selbstgerechten die Gelbe Karte. Mindestens.

2 Kommentare in “Fußball: Die Parallelwelt der Selbstgerechten

  1. Du hast ja so recht. Und inzwischen sitzen die Fußballer von der Isar (so manche bezeichnen sie auch als „Bauern“ auf dem Cäsaren-Thron. Haben alles im Griff, siegen, siegen, siegen ….und sind trotzdem noch unzufrieden und lassen Kommentare posten, die die „Spannung“ künstlich hoch halten.
    Das mit Hoeness ist eine Sauerei – genau: wenn er dankbar wäre, so glimpflich davon gekommen zu sein, hätte er seinen Verdienstorden still heimlich und leise zurückgegeben – aber das nicht öffentlich gemacht!
    Die größten sportlichen Sauereien waren das Phantomtor gegen den Club anno 1994 – das wurde mit der Meisterschaft belohnt und der Club ist abgestiegen (Helmer, Du wirst nie mehr mein Freund!!!, auch wenn Du in Seligenporten versuchst – oder hast?? – auf Goodwilltour zu gehen! – und der Pfiff von „Ober-Schiri“ oder soll ich sagen „Ober-Bayern-Schiri Dr. Markus Merk 2001 in Hamburg, der wieder mit der Meisterschaft „belohnt“ worden ist.
    Aber inzwischen sind wir in der Bundesliga schon so weit, dass Mannschaften die Spiele bei den Bayern vorher schon verloren geben (Hannover, da stand´s nach 25 Minuten 3:0; oder Hoffenheim, deren Trainer Gisdol hat im Vorfeld das STatement verbreitet, dass es eine „Erfolg“ für seine Mannschaft wäre, wenn diese nicht mit 1:6 verlieren würde – 0:4 war ja nicht weit davon entfernt!
    Da sag ich nur: „Schöne Bundesliga-Welt“ – und wann merkts der Fan und wendet sich gelangweilt ab?

  2. Sorry, hab das Tor des BVB im Pokalfinale dieses Jahres vergessen. Der Eine (Linienrichter – heute heißten sie „Assistenten“)hat vor lauter Schreck sich nicht getraut, die Fahne zu heben, und der Andere (SR Florian Meyer) war zu feige, zu pfeifen und auf Tor zu entscheiden!!!
    Aber die Bayern können für solche „Geschenke“ ja nichts dafür (siehe Dr. Markus Merk und Osmers – das war der mit dem Phantomtor von Helmer 1994!), sondern nehmen´s dankbar hin und ergötzen sich an ihrem „Erfolg“ …..

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